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Die deutsche Wirtschaft wächst, auch dank des starken Exports. Vor allem Staaten in Süd- und Osteuropa nahmen mehr Waren ab. Foto: Horst Gerlach/iStock

Die Schnellschätzung des Statistischen Bundesamts sorgte für positive Überraschungen – um 0,4 Prozent lag das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal über dem Vorquartalswert. Nach einem schwachen ersten Quartal haben sich etwa die deutschen Exporte im zweiten Quartal deutlich erholt. Auch die nicht-preisbereinigten Daten seit Anfang des Jahres zeigen einen leichten Anstieg – um 1,5 Prozent lagen die deutschen Warenexporte in den ersten fünf Monaten 2016 über dem Vorjahreswert. Dabei wird dieser Anstieg durch die Erholung in Süd- und Osteuropa vorangetrieben. Das Wachstum der (nicht-preisbereinigten) Warenausfuhren wäre um rund zwei Drittel geringer ausgefallen, ohne den kräftigen Anstieg der Exporte in die größten Exportzielländer aus Süd- und Osteuropa. So konnten die deutschen Warenexporte nach Polen, Spanien und in die Tschechische Republik bis Mai jeweils um mehr als 7 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert zulegen. Auch die Ausfuhren nach Italien legten mit über 6 Prozent stark zu.

Negative Impulse für die deutschen Warenexporte kommen hingegen aus den USA. Die Exporte in die Vereinigten Staaten sind in den ersten fünf Monaten des Jahres 2016 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert eingebrochen. Dies ist allerdings als eine Art Korrektur einzuordnen, nach dem außergewöhnlich starken Anstieg im Jahr 2015. Ohne den Rückgang der Exporte in die USA wäre der Anstieg der gesamten Warenexporte Deutschlands um fast 0,4 Prozentpunkte höher ausgefallen. Auch in Frankreich liefen die Geschäfte deutscher Firmen in den ersten fünf Monaten 2016 schlechter als im Vorjahreszeitraum – die Warenausfuhren lagen bis Mai um 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert, was den Anstieg der gesamten deutschen Warenausfuhren um 0,2 Prozentpunkte schmälerte.

Neben den Exporten zeigen sich auch der Private Verbrauch sowie der Staatskonsum robust. Die Stimmung der deutschen Verbraucher bleibt gut, getrieben von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Ausgaben im Zuge der Flüchtlingsintegration leisten ebenfalls einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum.

Was aber auf der Strecke bleibt, sind Ausrüstungsinvestitionen. Die Ungewissheit etwa im Zusammenhang mit dem Brexit-Referendum hat viele Unternehmen verunsichert und in einen Wartemodus versetzt. Auch die Flüchtlingsmigration, die politische Instabilität in der Türkei und die Präsidentschaftswahl in den USA drücken das Investitionsklima in Deutschland. Doch um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern, sind Investitionen von Nöten. Zumindest die politischen Akteure hierzulande müssen im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 signalisieren, dass sie auch nach der Wahl für Kontinuität der Wirtschaftspolitik und einen wirtschaftsfreundlichen Kurs sorgen wollen.

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Interview, 25. Juli 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk Türkeipolitik: Die Zollunion ist der entscheidendere HebelArrow

Die EU droht der Türkei mit Wirtschaftssanktionen und „die Drohung wirkt”, sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Denn die türkische Wirtschaft sei stark angewiesen auf Importe aus der Europäischen Union. Doch Ankara habe auch noch Wege, einem möglichen Mittelentzug entgegenzuwirken. mehr

7. Juli 2017

Michael Grömling Arbeitskräftemangel bremst Wachstum aus Arrow

Wie wird sich die deutsche Wirtschaftsleistung im demografischen Wandel entwickeln? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat dies bis ins Jahr 2035 vorausberechnet. Demnach wird die Produktivität zwar weiter steigen, doch die sinkende Zahl der Erwerbstätigen dämpft das Wachstum spürbar. mehr auf iwd.de

Demografie
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Deutschland geht es derzeit wirtschaftlich gut. Doch der demografische Wandel stellt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor eine ganze Reihe struktureller Herausforderungen. Wie verhindert werden kann, dass das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahrzehnten dennoch nicht einbricht, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer groß angelegten Studie. mehr