Der Hype um neue Wettbewerber im Passagierflugzeugmarkt aus China, Russland und Japan scheint vorbei zu sein, bevor er richtig begonnen hat: Der russische Regionalflieger Superjet 100 findet im internationalen Markt keine Kunden. Ein ähnliches Schicksal droht auch den größeren Maschinen Irkut MS-21 aus Russland sowie C919 aus China. Verzögerungen in Entwicklung und Fertigung lassen das Vertrauen der Fluggesellschaften in die neuen Hersteller schwinden.

Mit dem unsicheren Auslieferungsbeginn entfällt ein wichtiges Verkaufsargument für die neuen Rivalen. Aufgrund voller Auftragsbücher sind auch die Mittelstreckenflieger der A320- und B737-Reihen von Airbus und Boeing auf Jahre hinaus nicht lieferbar. Der Schaden bleibt begrenzt: Boeing hat gegengesteuert und ist bei Embraer eingestiegen, Airbus hat jüngst die Bombardier-Flugzeugsparte übernommen. Sowohl Embraer als auch Bombardier entwickelten zuletzt größere Flugzeuge, die an die Passagierkapazität der kleinsten Boeing- und Airbus-Modelle heranreichen. Durch die Übernahmen runden die Branchenführer ihre Modellpalette nach unten ab und können nun Flugzeuge mit geringeren Lieferfristen anbieten, um die Konkurrenz aus Russland und Asien auf Abstand zu halten.

Umstritten ist, ob der mangelnde Wettbewerb durch das Duopol im Flugzeugmarkt für Fluggesellschaften und Passagiere ein teures Ärgernis oder ein Vorteil ist. Einerseits gibt es zwischen den Amerikanern und Europäern traditionell einen heftigen Wettkampf um Großaufträge von Airlines und Leasinggesellschaften, die hohe Mengenrabatte auf den Listenpreis erhalten. Die Misserfolge der Konkurrenten zeigen, dass die Fluggesellschaften Airbus und Boeing die Stange halten – auch wenn sie Jahre warten müssen und chinesische oder russische Modelle zu einem günstigeren Preis bekämen. Offenbar ist eine hohe Zuverlässigkeit der Maschinen für die Airlines wichtiger als der Preis. Wartung, Schulung und Ersatzteillogistik sind weltweit auf die Duopolanbieter zugeschnitten – eine gewaltige Hürde für neue Wettbewerber.

Andererseits könnten Boeing und Airbus ihre Preise zu Lasten der Kunden hoch halten. Beide Hersteller haben 2017 Rekordgewinne eingefahren – das weckt Zweifel an der Wettbewerbsintensität: Angesichts voller Auftragsbücher gibt es wenig Anlass, die Preise zu reduzieren und die Kunden an Effizienzgewinnen durch die Fertigung immer größerer Stückzahlen bei schon eingespielten Entwicklungskosten teilhaben zu lassen. Das könnte die Chance für die neuen Anbieter sein, zumindest in Schwellen- und Entwicklungsländern mit guten Preisen in den Markt zu kommen.