Der neue Berliner Flughafen soll in weniger als einem Jahr tatsächlich eröffnet werden. Allerdings sind selbst dann noch lange nicht alle Probleme beseitigt: Durch die Verzögerung und das hohe Wachstum des Hauptstadt-Flugverkehrs ist der Flughafen bei Eröffnung schon zu klein, sodass der vollkommen veraltete DDR-Flughafen Schönefeld auch künftig als BER-Terminal weiterbetrieben werden muss. Zudem ist die schnelle Schienenanbindung an den Hauptbahnhof über die Nord-Süd-Trasse noch Zukunftsmusik. Eine Flughafen-U-Bahn – durch eine Verlängerung der U7 relativ einfach umsetzbar – ist bislang noch nicht einmal geplant. 

Terminal schon jetzt zu klein

Hinzu kommt: 2021 soll der neue Hauptstadtflughafen voraussichtlich mindestens 38 Millionen Passagiere abfertigen. Das neue Zentralterminal 1, dessen Fertigstellung um neun Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt, ist aber nur für 25 Millionen Passagiere ausgelegt. Ob auch das angrenzende Low Cost-Terminal 2 mit einer Kapazität von sechs Millionen Fluggästen rechtzeitig bis Oktober 2020 fertig wird, ist noch unsicher. Aufgrund der Größe des Flughafens Tegel – im laufenden Jahr werden hier circa 25 Millionen Passagiere erwartet – ist ein Umzug in Etappen aber ohnehin vorzuziehen. 

Mindestens 4,7 Milliarden mehr

Die Endlos-Baugeschichte mit diversen Rück- und Umbauten fehlgeplanter Technik hat auch wirtschaftlich einen Trümmerhaufen hinterlassen, der die Flughafengesellschaft und ihre Eigner Berlin, Brandenburg und Bund noch jahrelang beschäftigen wird. Die Kosten stiegen von zunächst veranschlagten zwei Milliarden Euro auf zuletzt geschätzte 6,7 Milliarden Euro, wobei möglicherweise 2020 eine weitere Geldspritze notwendig wird. Selbst wenn man von der Kostensteigerung eine Milliarde Euro für zwischenzeitliche Kapazitätserweiterungen und eine halbe Milliarde für gerichtlich verlangten zusätzlichen Lärmschutz abzieht, bleibt mehr als eine Verdoppelung des Preisschilds aufgrund des baulichen Desasters, das bis Juni 2012 angerichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Fertigstellung bereits um ein Jahr verschoben worden.  

Internationaler Spott

Gleichzeitig ist der Bau dringend notwendig. Mit seiner Eröffnung erhält die deutsche Hauptstadt endlich einen Flughafen, der ihrer Rolle ansatzweise gerecht wird. Seit Jahren sind die hoffnungslos überlasteten Infrastrukturen in Tegel und Schönefeld, die noch aus Vorwendezeiten stammen, gemeinsam mit dem BER-Desaster Ziel internationalen Spotts. Immerhin haben diese Provisorien ihre Aufgabe recht gut erfüllt: Von 2000 bis 2018 wuchs das Passagieraufkommen an den zwei bzw. bis 2008 drei Berliner Flughafenstandorten um 260 Prozent auf 34,7 Millionen. Auch die wirtschaftliche Entwicklung Berlins war trotz Nichteröffnung erstaunlich positiv: Das BIP wuchs seit 2000 real um 34 Prozent, die Zahl der Erwerbstätigen um 24 Prozent. Das deutsche BIP nahm demgegenüber nur um 26 Prozent zu, die Erwerbstätigenzahl um 12 Prozent. 

Dabei ist Berlin bislang als Luftfahrtstandort stark auf Passagiere mit der Hauptstadt als Reiseziel ausgerichtet. Die Flughäfen dienen kaum als Umsteigeplattformen wie Frankfurt oder München. Insofern ist die Eröffnung eine Chance: Mit ihr dürfte es mehr Fernverbindungen durch ausländische Gesellschaften geben, was für die international vernetzte Startup-Szene wichtig ist. 

Der größte Gewinner der BER-Eröffnung Ende 2020 könnte Brandenburg werden. Der Flughafen Tegel steht für knapp fünf Prozent der Berliner Wirtschaftsleistung, die ab 2021 überwiegend für Brandenburg zu verbuchen ist. Zusammen mit der Tesla-Gigafactory im nahegelegenen Grünheide und starken Investitionen in den Wohnungsbau durch Unternehmen, die Berlin wegen des restriktiven Mietendeckels den Rücken kehren, dürfte Brandenburg im neuen Jahrzehnt zum Wachstumsstar der Bundesrepublik werden.