Während die Zahl der größeren Gründungen – definiert vom Statistischen Bundesamt als Kapitalgesellschaften und Gründungen, die bei Geschäftsaufnahme schon Mitarbeiter beschäftigen – 2019 stagnierte, ging sie 2018 um über zwei Prozent zurück. Auch in den Vorjahren sank die Gründungsneigung sowohl bei den größeren Unternehmen als auch bei den Kleinstbetrieben, der moderate Rückgang 2020 war also kein Corona-bedingter Ausreißer. Angesichts des kräftigen Rückgangs der Insolvenzen um etwa 13 Prozent hätte das Einfrieren des Geschäftslebens im Lockdown durchaus eine stärkere Gründungsabstinenz auslösen können.

Strukturwandel erfordert neue Ideen

Wenn der Lockdown endet und ein Großteil der Deutschen geimpft sind, sollte das Geschäftsleben wieder in Gang kommen. Dann erfordert der Strukturwandel deutlich mehr Unternehmensgründungen, vor allem im Digitalbereich – schließlich werden nicht alle Geschäfte mit Publikumsverkehr zu alter Stärke zurückfinden. Zudem erfordern Klimawandel und Demografie neue Ideen. Um innovativen Start-ups unter die Arme zu greifen, hat die Bundesregierung deshalb einen so genannten Zukunftsfonds beschlossen, der in zehn Jahren zehn Milliarden Euro zusätzlich in innovative Start-ups investieren soll. Hierbei kommen zehn Einzelinstrumente zum Einsatz: Der so genannte High-Tech-Gründerfonds soll beispielsweise aufgestockt werden, ein Dachfonds soll private Investoren durch Risikoübernahme in Start-up-Finanzierungen locken.

Gründen ist in Deutschland zu schwierig

Neben diesem sinnvollen Ansatz zur besseren Finanzierung innovativer Start-ups stellt sich aber weiterhin die Frage, wie der lahmen deutschen Gründerkultur Beine gemacht werden kann. Ein Abbau der Gründungsbürokratie ist notwendig. So ist es beispielsweise auch ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie immer noch nicht möglich, online ein Unternehmen zu gründen. Für seine Steuererklärung braucht der Neu-Unternehmer hierzulande nach wie vor Hilfe vom Steuerberater. Hier muss Deutschland besser werden.