Kalte Progression Image
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Die Vorschläge der linken Parteien, die Steuerbelastung für „Reiche“ zu erhöhen, bringen allerdings wenig fiskalischen Nutzen und nähren allenfalls den Neidkomplex. Höhere Steuern und Abgaben sind in der aktuellen Krise ökonomisch schon deshalb kontraproduktiv, weil sie als fiskalischer Hemmschuh den konjunkturellen Erholungsprozess hinauszögern und damit den Weg zu mehr Wachstum und Beschäftigung verbauen. Geboten wäre eher eine schnell wirkende, wie auch durchgreifende Entlastung der Wirtschaft und der Bürger. Jedoch muss man realistischerweise mit Blick auf die großen Haushaltslöcher und rapide ansteigenden Staatsschulden auch hier die Kirche im Dorf lassen. Groß angelegte Steuersenkungsprogramme – so sinnvoll sie konjunkturpolitisch auch wären – sind gegenwärtig wohl nicht durchsetzbar.

Reformbedürftig ist aber auf jeden Fall die Einkommensbesteuerung – beispielsweise die sogenannte kalte Progression. Sie ist eine Steuermehrbelastung, die dann eintritt, wenn die Lohnerhöhungen prozentual lediglich so hoch ausfallen wie die Inflationsrate – durch den progressiven Einkommenssteuertarif sind jedoch für jeden Euro, der über dem Grundfreibetrag liegt, mehr Steuern fällig. Der Arbeitnehmer hat somit real weniger in der Tasche. Gäbe es diese ungerechtfertigte Steuerlast nicht mehr, würde die Spanne zwischen Brutto- und Nettolohn kleiner, die Kaufkraft der Arbeitnehmer gestärkt und das Steuerrecht systematischer ausgerichtet. Genau genommen wäre diese Abschaffung keine Steuersenkung, sondern nur das Ende einer ungerechtfertigten Steuererhöhung.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat ausgerechnet, dass auf Datenbasis der jüngsten amtlichen Steuerschätzung die Steuerzahler auf diese Weise bereits in diesem Jahr um rund 1 Milliarde Euro entlastet werden könnten – mit steigender Tendenz bis zum Jahre 2013. Bis dahin würde die Steuerbürde der Lohn- und Einkommenssteuerzahler insgesamt immerhin um 18,4 Milliarden Euro geringer ausfallen.

Gutachten
Gutachten, 17. Juli 2017

Tobias Hentze Szenarien für ein Ende des SolidaritätszuschlagsArrow

Der im Jahr 1991 erstmals eingeführte Solidaritätszuschlag sollte kurzfristige Mehrausgaben für den Golfkrieg und den Aufbau Ost finanzieren. Mehr als 26 Jahre später besteht der Solidaritätszuschlag allerdings immer noch. Mit Ablauf des Jahres 2019 entfällt für die Politik jedoch das letzte Argument, sich an die Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag zu klammern. mehr

14. Juli 2017

Tobias Hentze Steuerloch mit AnsageArrow

Wenn ab Mitte der 2020er Jahre die Babyboomer in den Ruhestand gehen, schlägt sich das auch in sinkenden Einnahmen aus der Einkommenssteuer nieder. Weil gleichzeitig die staatlichen Ausgaben steigen, muss die Politik zügig handeln. mehr auf iwd.de

Gastbeitrag, 10. Juli 2017

Tobias Hentze auf n-tv.de Schwarze Null – sonst nichtsArrow

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann mit der ablaufenden Legislaturperiode zufrieden sein, die schwarze Null ist zweifelsfrei ein Erfolg - auch wenn ihm dabei das Glück zur Seite stand. Davon abgesehen war die Finanz- und Steuerpolitik der Großen Koalition ziemlich uninspiriert. Ein Gastkommentar von Tobias Hentze, Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr