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Irland befindet sich seit Dezember 2011 unter dem Rettungsschirm und macht recht gute Reformfortschritte – sei es bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen oder der Reform und Genesung des Bankensektors. Erst Ende April hat dies der Internationale Währungsfonds in einer erneuten Überprüfung bestätigt. Auch die Finanzmärkte honorieren die entschiedenen Reformen der irischen Regierung um Enda Kenny. So sind die Zinsen auf zehnjährige irische Staatsanleihen von über 14 Prozent auf zuletzt um die acht Prozent deutlich gesunken – ein bemerkenswerter Fortschritt.

Doch vor allem weil Irlands Bankensektor weiter in Schwierigkeiten steckt und für das kleine Land eigentlich viel zu groß ist, bleibt das irische Staatsdefizit mit geplanten über acht Prozent des BIP weiterhin sehr hoch. Zudem ist Irland stark exportorientiert und leidet besonders unter den Folgen des Wachstumseinbruchs in der Eurozone. Da stellt sich die Frage, ob Irland wie geplant nach Ablauf des Hilfsprogramms wieder an den Finanzmarkt zurückkehren kann.

Die Abstimmung über den Fiskalpakt hat dabei insofern eine zentrale Bedeutung, weil mögliche weitere Hilfen durch den ab Juli 2012 in Kraft tretenden Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) an die Umsetzung des Fiskalpaktes gebunden sind. Die Neinsager spielen also mit dem Feuer. Denn für Irland stünde im Fall der Fälle sehr viel auf dem Spiel.

Selbst ein Euro-Austritt wäre nicht gänzlich ausgeschlossen, sollten Staat und Banken ohne externe Hilfen noch tiefer in den Krisenstrudel geraten. Damit aber würde Irland sein gesamtes Geschäftsmodell riskieren. Denn das Land hat sehr stark auf seine Rolle als Exportplattform und Brückenkopf in die Eurozone für angelsächsische Investoren gesetzt. Und deren Strategie steht und fällt mit der Euro-Mitgliedschaft der grünen Insel.

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20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”
Interview, 13. November 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”Arrow

Mit dem bisherigen Gesprächstempo werde es eng für einen kontrollierten Brexit, sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Briten hätten mit ihrer bisherigen „Strategielosigkeit” die Chance vertan, die Trennung konstruktiv zu gestalten. mehr