Rabatte auf Arzneimittel Image
Quelle: Fotolia

Seit der Neuordnung des deutschen Arzneimittelmarkts werden Rabatte auf innovative Arzneimittel zwischen dem jeweiligen Unternehmen und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgehandelt. Für elf Wirkstoffe wurden diese Verhandlungen bereits abgeschlossen. Das Bundesgesundheitsministerium möchte diese Rabattvereinbarungen veröffentlichen. Doch das ist ein gefährliches Ansinnen. Denn in keiner anderen Industrie werden unternehmensindividuelle Verhandlungsergebnisse der Konkurrenz zugänglich gemacht. Schließt etwa ein Hersteller für Autoscheinwerfer einen Rabattvertrag mit einem Automobilbauer ab, wird dieser Vertrag auch nicht den konkurrierenden Autobauern kostenlos zur Verfügung gestellt. Denn Unternehmen gewähren Rabatte ganz individuell unter Berücksichtigung vieler Komponenten wie der abgenommenen Menge oder der Bedeutung des Verhandlungspartners.

Auf die Pharmabranche hätte eine Veröffentlichung weitreichende Konsequenzen. Manche Länder Europas orientieren sich bei der Preisfindung für Medikamente nämlich am deutschen Preis. In letzter Konsequenz könnte sich deshalb eine Abwärtsspirale in Gang setzen: Ein geringerer inländischer Preis sorgt für niedrigere Preise im Ausland. Diese werden dann wiederum hierzulande als Referenz für die nächste Preisfindung genutzt und es kommt zu weiteren Preisabschlägen. Schlimmstenfalls könnte eine Veröffentlichung der Rabatte deshalb dazu führen, dass die Versorgung mit innovativen Arzneimitteln in Deutschland immer schlechter wird. Denn Unternehmen bieten ihre Neuheiten gar nicht mehr auf dem deutschen Markt an, wenn es sich ob der Rabattierung finanziell für sie nicht mehr lohnt – und einige Unternehmen sind diesen Schritt bereits gegangen.

Ansprechpartner

IW policy paper
IW policy paper, 27. März 2017

Susanna Kochskämper Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung bietet viele PotenzialeArrow

Warum wissen so wenige Patienten, dass sie sich auch im EU-Ausland medizinisch behandeln lassen dürfen – zu den gleichen Konditionen wie im Inland und ohne zusätzliche Auslandskrankenversicherung? Und warum wird diese Möglichkeit bisher so wenig genutzt, obwohl die nationalen Gesundheitssysteme davon profitieren könnten? mehr

Finanzierungslücke in der Kranken- und Pflegeversicherung
IW-Pressemitteilung, 27. März 2017

Kranken- und Pflegeversicherung Große Finanzierungslücke drohtArrow

Der demografische Wandel führt dazu, dass die Ausgaben der Kranken- und Pflegeversicherung in den nächsten Jahrzehnten steigen und die Einnahmen sinken werden. Bei gleichbleibendem Leistungsniveau ist deshalb langfristig mit einer deutlichen Erhöhung der Beitragssätze zu rechnen, wie eine IW-Studie zeigt. mehr

Exportschlager Gesundheit
IW-Report, 8. März 2017

Jasmina Kirchhoff Exportschlager Gesundheit – Wachstumstreiber Schwellenländer?Arrow

Die deutsche Pharma- und Medizintechnikbranche legte in den vergangenen Jahren ein besonderes Augenmerk auf bevölkerungsreiche und schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. Anders als auf den etablierten Märkten erhoffen sich die Unternehmen hier starke Umsatzzuwächse. mehr