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Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate zwischen 0 und 2 Prozent herrscht konventionsgemäß Preisstabilität. Aus Sicht der Ökonomen kann es indes gefährlich werden, wenn die Preise sinken und die Verbraucher und Unternehmen mit weiter fallenden Preisen rechnen. Dann kann es im schlimmsten Fall zu Deflation kommen: Konsum und Investitionen werden aufgeschoben und Unternehmen senken in Reaktion auf dieses Verhalten ihre Preise weiter. Dadurch kann es zu einer Abwärtsspirale kommen, die das Konjunkturwachstum längerfristig bremst und zu einem Wohlstandsverlust führen kann.

Doch trotz der relativ niedrigen Inflationsrate spricht einiges gegen eine akute Deflationsgefahr in Deutschland. Denn neben der klassischen Inflationsrate lohnt ein Blick auf die sogenannte Kerninflation. Sie basiert auf demselben Warenkorb wie die Inflation. Allerdings werden Güter mit stark schwankenden Preisen – wie Nahrungsmittel und Energie – herausgerechnet, um eine weniger verzerrte Preisentwicklung der Kerngüter zu analysieren. Im konkreten Fall sind die Preise für diese beiden Warengruppen in letzter Zeit gefallen und haben dadurch die Teuerung des Gesamtwarenkorbs gebremst. Das statistische Bundesamt gibt die Teuerungsrate ohne Energiepreise und Nahrungsmittelpreise mit 1,3 Prozent an.

Auch langfristige, marktbasierte Inflationsprognosen deuten darauf hin, dass keine Deflationsgefahr droht: Die langfristigen Erwartungen liegen fest verankert bei knapp 2 Prozent. Gleichwohl hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni ein Maßnahmenpaket verabschiedet, um mögliche Deflationssorgen im Keim zu ersticken. Teilweise läuft das Paket erst im September an und dürfte die Inflationsentwicklung weiter in die richtige Richtung lenken.

Jüngste Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass das Risiko einer langfristigen Deflationsspirale generell gering ist. Konsumenten veränderten ihr Verhalten bislang nur bei Deflationen mit starken Vermögens- und Eigenkapitalverlusten. Doch Aktien- und Immobilienmarkt haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren recht gut entwickelt. Und auch historisch betrachtet, besteht kaum Grund zur Sorge. Denn die historischen Phasen negativer Preisentwicklungen waren bis auf die Deflation der 1930er Jahre nur von kurzer Dauer und mit ihnen gingen – soweit beobachtbar – keine gravierenden Verhaltensänderungen seitens der Wirtschaftsakteure einher.

Einzig die aktuellen geopolitischen Spannungen können den positiven Blick auf die Inflationsentwicklung eintrüben.

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