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Laut Antwort der Bundesregierung stiegen die Strompreise für Privathaushalte seit Sommer 2008 um 38 Prozent. Wohingegen energieintensive Abnehmer einen leichten Preisrückgang verzeichnen konnten. Alles also kein Problem für die Industrie? Mitnichten – wie ein Blick in die Datengrundlage zeigt: Für die Industrie beziehen sich die Zahlen auf den sogenannten „Index der Erzeugerpreise für elektrischen Strom bei Abgabe an Sondervertragskunden auf Hochspannungsebene“. Die Daten bilden also nicht exakt die energieintensive Industrie ab.

Problematischer ist aber der in der Anfrage gewählte Betrachtungszeitraum ab 2008: Denn das Jahr 2008 markierte ein Rekordhoch für die industriellen Strompreise zwischen 2000 und 2010. Hätte man indes zwei Jahre später als Startzeitpunkt gewählt, hätte man einen Preisanstieg attestieren können: Der Strompreis für die Sondervertragskunden legte von 2010 bis 2013 um 11 Prozent zu. Der in der Anfrage genutzte Juni-Wert 2014 liegt sogar 12 Prozent über dem 2010er-Wert.

Die Industriestrompreisstatistiken der Europäischen Statistikbehörde Eurostat bestätigen diesen Trend: In allen Verbrauchergruppen, auch den energieintensiveren, sind die Strompreise zwischen 2007 und 2013 gestiegen. Und zwar um 30 bis 40 Prozent – in fast allen Fällen ist der Anstieg beinahe vollständig durch staatliche Preiskomponenten wie die EEG-Umlage zu erklären.

Außerdem sollte eines mit Blick auf die Industrie nicht vergessen werden: Nicht der Vergleich mit anderen Abnehmergruppen im Inland ist ausschlaggeben, sondern das Preisgefüge im internationalen Wettbewerb - und das ist für die deutsche Industrie weiterhin ungünstig. In Europa zahlen nämlich nur durchschnittliche Industrieunternehmen auf Malta, Zypern und in Italien mehr für Strom. Auch die stärker energieintensiven Abnehmer müssen hierzulande beinahe 80 Prozent mehr berappen als ihre französischen Nachbarn und immerhin noch 15 Prozent mehr als der europäische Durchschnitt.

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