Seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland noch nie so stark geschrumpft wie derzeit: Im zweiten Quartal hatten bundesweit 600.000 Menschen weniger einen Job. Am aktuellen Rand sieht es noch schlechter aus: Im Juni waren vor allem wegen der Corona-Krise fast 700.000 Personen weniger erwerbstätig als im Vorjahr.

Viele Selbstständige ohne Jobs

Zwar federt die Kurzarbeit einen großen Teil der Krisenfolgen ab: Die Zahl der geleisteten Stunden schrumpfte um fast neun Prozent, die Zahl Erwerbstätigen sank dagegen nur um 1,3 Prozent. Dennoch gingen viele Jobs verloren, insbesondere für geringfügig Beschäftigte und Selbstständige. Weil diese oft keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, melden sich viele von ihnen auch nicht arbeitslos.

Hürden bei Neueinstellungen senken

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Frühindikatoren signalisieren, dass es mit der Konjunktur wieder aufwärts geht. Der Arbeitsmarkt reagiert allgemein mit Verzögerung auf solche Veränderungen. Bis die konjunkturelle Belebung wieder zu mehr Einstellungen führt, kann es deshalb noch eine Weile dauern.

Jetzt müssten die Hürden gesenkt werden, die Betriebe bei Neueinstellungen überwinden müssen. Das größte Problem ist die Unsicherheit: Unternehmen sind sich nicht sicher, ob sie neu eingestellte Mitarbeiter auf Dauer beschäftigen können. Damit ihnen die Entscheidung leichter fällt, könnte zum Beispiel für einen begrenzten Zeitraum die Befristung von Beschäftigungsverhältnissen weniger stark reguliert werden – das könnte den Arbeitsmarkt weiter entspannen.