Air Berlin: Eine Frage der Moral Image
Der wilde Streik der Air-Berlin-Piloten ist moralisch fragwürdig und politisch unklug. Foto: Alexander Hassenstein/GettyImages

Obwohl sie unrechtmäßig sind, scheinen sogenannte wilde Streiks in der Luftfahrt mehr und mehr Einzug zu halten. Im Herbst 2016 war TUIFly von zahlreichen Krankmeldungen betroffen und im Herbst 2015 die Deutsche Lufthansa. Solche verdeckten Streikformen sind nach deutschem Recht illegal. Zum Streik aufrufen dürfen nur Gewerkschaften. Anders als in Frankreich gibt es in Deutschland kein individuelles Streikrecht.

Hinzu kommt: Der Flugbetrieb von Air Berlin wird mit einem Staatskredit aufrechterhalten – es stehen also Steuergelder auf dem Spiel. Da sollte es für alle Mitarbeiter der Fluggesellschaft selbstverständlich sein, den Job verantwortungsvoll auszuführen. Das ist eine Frage der Moral. Die Aktion ist aber auch politisch unklug. Durch die wilden Streiks werden die Kunden nicht nur geschädigt, sondern auch von weiteren Buchungen bei Air Berlin abgeschreckt – was die wirtschaftliche Lage zusätzlich verschärft. Hinzu kommt das verheerende Signal an potenzielle neue Arbeitgeber.

Durch Streiks lassen sich die Probleme nicht lösen. Daher müssen sich alle Beteiligten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – an einen runden Tisch setzen, um über die gemeinsame Zukunft zu beraten. Dabei sollte die gesamte Belegschaft in ihrem eigenen Interesse an einem Strang ziehen. Damit dies gewährleistet ist, werden in Deutschland Betriebsräte gewählt und Gewerkschaften eingeschaltet. Trotzdem werden durch die Insolvenz von Air Berlin wahrscheinlich Besitzstände verloren gehen. Dagegen hilft aber kein Streik einzelner Berufsgruppen, auch kein rechtmäßiger.

Ansprechpartner

15. September 2017

Klaus-Heiner Röhl Schicksalstage für den deutschen LuftverkehrArrow

Nach der Bundestagswahl will der Gläubigerausschuss entscheiden, an wen Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin nach ihrem Insolvenzantrag verkauft wird. Der Markt ist im Umbruch – dank der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs wird es aber wohl auch dann keine großen Preissprünge auf innerdeutschen Flügen geben, wenn die Lufthansa den Zuschlag bekommt. mehr auf iwd.de

Air Berlin
IW-Nachricht, 15. September 2017

Klaus-Heiner Röhl Air Berlin: Wettbewerb muss erhalten bleibenArrow

Am Freitagnachmittag endete die Bieterfrist für Übernahmeinteressenten der insolventen Airline Air Berlin. Angesichts der Situation der seit Jahren defizitären Fluggesellschaft und der Strukturen im Luftverkehr dürfte die Anzahl ernsthafter Interessenten überschaubar sein. Das sollte aber nicht zu weniger Wettbewerb am Himmel führen. mehr

Gewerkschaftsspiegel, 4. September 2017

Hagen Lesch / Paula Hellmich Tarifverhandlungen: Weniger Konflikte im „kleinen“ TarifjahrArrow

Eine Analyse der Tarifverhandlungen in diesem Jahr zeigt: Bisher ging es in den Tarifverhandlungen friedlicher als in den letzten Jahren zu. Das lag zum einen daran, dass in einigen konfliktintensiven Branchen keine Tarifverhandlungen stattfanden. Zum anderen agierten die Spartengewerkschaften besonnener als in den Vorjahren. Nach dem IW-Konfliktbarometer ist das Tarifjahr 2017 das harmonischste Tarifjahr der letzten zwölf Jahre. mehr