Griechenlands Umschuldung Image
Quelle: Fotolia

Griechenland kann Investoren noch dazu bringen, den Schuldenschnitt mitzutragen. Eine Möglichkeit bietet eine Änderung des Kleingedruckten: Griechenland kann in den Anleihen nach heimischem Recht per Gesetz im Nachhinein sogenannte Collective Action Clauses (CACs) einführen. Diese ermöglichen einer Gläubigermehrheit von beispielsweise zwei Dritteln oder drei Vierteln die verbleibende Minderheit zum Schuldentausch zu zwingen. Eine nachträgliche Vertragsänderung ist zweifellos nicht unproblematisch, aber die CACs sind am Finanzmarkt schon lange gängige Praxis.

Wenn Griechenland die Verweigerer in die Umschuldung zwingt, würden die Ratingagenturen das Land zwar noch deutlich stärker herabstufen. Doch bereits jetzt signalisieren Standard & Poors und Co., dass sie eine derartige Herabstufung nicht lange aufrechterhalten würden.

Von daher dürfte den griechischen Banken – und letztlich der griechische Wirtschaft – nicht wie befürchtet der Geldhahn zugedreht werden. Denn die griechischen Banken könnten ihre Staatsanleihen nur für die kurze Zeit der Herabstufung auf einen Bankrottstatus nicht als Sicherheiten nutzen, wenn sie Kredite von der EZB haben wollen.

In der Zwischenzeit können die Finanzinstitute nach einer Regeländerung der EZB auch eigene Kreditforderungen als Sicherheiten nutzen. Selbst der Euro-Rettungsschirm könnte im Rahmen des neuen Hilfspakets einspringen.

Argumentationspapier

Jürgen Matthes: Griechenland könnte eine umfassende Privatgläubigerbeteiligung erzwingen – die Risiken dieser Strategie sind kontrollierbar
IconDownload | PDF

Ansprechpartner

22. November 2017

Adriana Neligan Das Plastik-ProblemArrow

Um der Berge an Plastikmüll Herr zu werden, will die EU im Dezember eine Kunststoffstrategie veröffentlichen. Viel zu tun gibt es allemal. mehr auf iwd.de

21. November 2017

Sandra Parthie Binnenmarkt: Vier Freiheiten und viele FragezeichenArrow

Seit 25 Jahren gibt es den Europäischen Binnenmarkt mit seinen „vier Freiheiten“ – dem freien Warenverkehr, der Personenfreizügigkeit, der Dienstleistungsfreiheit und dem freien Kapital- und Zahlungsverkehr. Mit 500 Millionen Einwohnern ist der EU-Binnenmarkt der größte gemeinsame Markt der Welt. mehr auf iwd.de

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de