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Der Konflikt zwischen der EU und Griechenland eskaliert auch, weil es ein Unverständnis für die Werte und Ängste der Gegenseite gibt. Quelle: Jan Schuler – Fotolia

In der Nachkriegszeit war Geld die zentrale Währung, mit der Wachstum erreicht und bedürftige Länder gerettet werden sollten. In den 1990er Jahren gewannen dann die Institutionen in Europa immer mehr an Bedeutung. Ein klares Regelwerk kennzeichnet seither die staatliche Kooperation und die Integration der EU. An diesen Regeln wird ständig gefeilt, um sie zu verbessern. Doch die Eskalation in Griechenland verdeutlicht, dass das beste Regelwerk und umfassende Verträge nutzlos sind, wenn das gemeinsame Wertegerüst – das gemeinsame Spielverständnis – fehlt. Dann zeigen sich einmal mehr die Grenzen der neoklassischen Ökonomik.

Die eklatanten Diskrepanzen zwischen den Einstellungen und Herangehensweisen der europäischen Partner wurden zum einen in der Verhandlungsführung deutlich: Die Regierungschefs verhandelten nicht mehr als Staatenbund über die Ausgestaltung der Rahmenordnungen, sondern über die grundsätzliche Staatsführung eines einzelnen Staates und darüber, wie europäische Solidarität auszusehen hat. Die Unterschiede werden auch in Bezug auf kulturelle Grundeinstellungen deutlich, wie zum Beispiel Daten zur Langfristorientierung des Kulturforschers Geert Hofstede zeigen. Länder, die in der Dimension Langfristorientierung weniger Punkte haben, wie Griechenland mit 43 Punkten, sehen demzufolge Veränderung und gesellschaftlichen Wandel eher mit Skepsis. Länder mit höherer Punktzahl – wie Deutschland mit 83 Punkten – suchen pragmatisch nach Lösungen.

Unverständnis für die Ängste und Werte der jeweiligen Verhandlungspartner kann dazu führen, dass ein ansonsten eher rationaler Konflikt eskaliert und sich die Debatte emotional aufheizt. Ludwig Erhards Aussage „50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie“ lässt sich nämlich problemlos um die Politik ergänzen: Für die zwischenstaatliche Kooperation zeigt die gegenwärtige Krise, dass ein gegenseitiges Werteverständnis in Krisenfällen, neben Geld und Institutionen, die verbindende und rettende Währung sein kann – oder eben auch nicht.

Ansprechpartner

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

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Veranstaltung, 2. November 2017

XXVII. Wirtschaftsethisches Forum Populismus und Ökonomik in Zeiten neuer MarktkritikArrow

Eine Erklärung für den Zuwachs populistischer Parteien wird in zunehmender sozialer Ungleichheit und Abstiegsängsten der Mittelschicht gesehen. Der Erfolg des Populismus führt dazu, dass moralische Dimensionen des Wirtschaftens wieder stärker beachtet werden. mehr