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Welche Schuldenerleichterungen braucht Griechenland, damit das Land und seine Banken wieder auf die Beine kommen? Ein echter Schuldenschnitt ist nicht nötig, zeigt eine neue Analyse des IW Köln. Foto: EdStock2/iStock

Die Schuldentragfähigkeitsanalyse des IW Köln zeigt: Die Gläubiger müssen Griechenlands Zahlungsausstände nicht per Schuldenschnitt kürzen. Stattdessen reicht es aus, einige Maßnahmen zu ergreifen, um die Zins- und Tilgungslasten erträglicher zu gestalten:

1. Der Euro-Rettungsschirm ESM sollte dem Internationalen Währungsfonds (IWF) dessen Kredite abnehmen, die höher verzinst werden als ESM-Kredite, Griechenland also mehr „kosten“. Dieser Schritt dürfte es dem IWF zudem leichter machen, sich am dritten Rettungspaket zu beteiligen, worauf die Bundesregierung – zurecht – nicht verzichten will.

2. Der ESM sollte seine Kredite an Griechenland stärker längerfristig finanzieren. Denn mit sehr lang laufenden Anleihen lässt sich das sehr niedrige Zinsniveau sichern – und zwar derzeit zu einem nur recht geringen Zinsaufschlag gegenüber kürzer laufenden Anleihen.

3. Die Rückzahlungsfristen der Hilfskredite sollten um 15 bis 20 Jahre verlängert und die ersten Rückzahlungen um das Jahr 2040 angesetzt werden. Denn bis dahin dürfte sich die griechische Staatschuldenquote auf rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung reduziert haben und spätestens dann sollte Griechenland sich wieder am Finanzmarkt selbst finanzieren können.

Dieses Maßnahmenpaket, so die IW-Experten, darf allerdings erst dann greifen, wenn Griechenland die Reformen des dritten Hilfsprogramms umgesetzt hat. Denn Hellas braucht vor allem wachstumsfördernde Strukturreformen in Wirtschaft und Verwaltung. Die sind auch zuletzt in der aktuellen Reformrunde wieder einmal zu kurz gekommen, weil auch die Gläubiger den Fokus zu einseitig auf die Konsolidierung gelegt haben.

Der Vorteil des IW-Vorschlags liegt derweil auf der Hand: Die Lösung hilft Griechenland, ohne die kreditgebenden Euroländer etwas zu kosten. Denn durch Wachstum und Inflation reduziert sich der Schuldenstand allmählich, die Inflationslasten trägt derweil der Finanzmarkt, da der ESM Kredite von dort an Griechenland weiterreicht. Solange Griechenland also die Zins- und die geringen Verwaltungskosten des ESM übernimmt, gibt es keinen Verlust für die europäischen Steuerzahler.

Die Prognose des IW Köln trifft moderate Annahmen bezüglich Wachstum, Inflation und Primärüberschuss. Des Weiteren geht die IW-Analyse davon aus, dass das Zinsniveau, zu dem sich der ESM finanziert, in den kommenden Jahren allmählich steigen dürfte (siehe Kurzbericht).

Allerdings erwartet das IW Köln ab 2025 mit 1,8 Prozent höhere jährliche Wachstumsraten als der IWF in seiner jüngsten Schuldentragfähigkeitsanalyse für Griechenland mit nur 1 ¼ Prozent pro Jahr. Der IWF begründet seinen Pessimismus unter anderem mit dem Blick auf den Wachstumsdurchschnitt zwischen 1981 und 2015 – bezieht damit aber auch die extrem lange und sehr tiefe Krise ab 2008 mit ein. Das erscheint übertrieben pessimistisch. Denn der Wachstumsdurchschnitt für die Jahre 1990 bis 2005 beträgt ansehnliche 2,9 Prozent pro Jahr. Für 1981 bis 2005 ergeben sich immerhin 2,2 Prozent im Jahresdurchschnitt.

Bemerkenswert dabei: Das reale BIP-Wachstum lag zwischen 1994 und 2005 ununterbrochen und teils sehr stark über der Zwei-Prozent-Marke. In dieser Phase war auch das griechische Leistungsbilanzdefizit nicht übermäßig hoch. Daher spricht vieles dafür, dass Griechenland nach der Erholung aus der Krise eine bessere Wachstumszukunft vor sich hat als der IWF annimmt.

IW-Kurzbericht

Jürgen Matthes: Griechenland – IW-Schuldentragfähigkeitsanalyse zeigt: Kein Schuldenschnitt nötig

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