• Die Europäische Währungsunion darf nicht zu einer Transferunion werden. Damit scheint ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wahrscheinlicher als je zuvor. Allerdings ist nicht klar, wie dieser Grexit von statten gehen könnte und was danach folgt. Unvermeidbar erscheint kurzfristig – wenn die EZB die ELA-Kredite regelkonform nicht erhöht – die Einführung einer Parallelwährung. Das aber muss keinen Austritt aus der Europäischen Währungsunion bedeuten, wenn die Eurogruppe dies während der Verhandlungen als rein technischen und befristeten Vorgang bewertet.
  • Es muss eine langfristige Lösung her, wenn ein drittes Hilfspaket wirksam sein soll. Das kann gelingen, wenn der zeitliche Rahmen, der im November für die griechischen Schulden gesetzt wurde (30 Jahre Laufzeit, teilweise Stundung der Zinsen für zehn Jahre, Tilgungsbeginn nach 2020), auch auf die Kredite des IWF und der EZB angewendet wird. Das kann durch eine Übertragung der entsprechenden Schulden auf den ESM erfolgen. Zwingend wäre es dann notwendig, dass ein Vertrag zwischen der Eurogruppe und dem ESM einerseits sowie Griechenland andererseits den notwendigen Konsolidierungspfad (Höhe der jährlichen Primärüberschüsse) und die reformpolitischen Handlungsfelder definiert. Dabei könnte auch vereinbart werden, dass Zins und Tilgung nur in Jahren mit Wirtschaftswachstum zu leisten sind. Später müssten dann aber die Raten für jene Jahre, inklusive Verzinsung, nachgezahlt werden, in denen die Zahlungen ausgesetzt wurden. Schließlich könnte das Verfehlen der Konsolidierungsziele mit ex-post-Sanktionen verbunden werden, indem Steuereinnahmen automatisch in entsprechender Höhe an den ESM gehen.
  • Der ESM sollte zu einem Europäischen Währungsfonds umgebaut werden. Dafür sollte seine Unabhängigkeit – gerade gegenüber der EU-Kommission – gestärkt werden, damit der ESM für die notwendigen Anpassungen in den Programmstaaten wirksam agieren kann.
  • Was ein griechischer Staatsbankrott die europäischen Steuerzahler am Ende kosten könnte, ist aktuell nicht exakt zu berechnen. Es bestehen gegenüber Griechenland Forderungen aus den Rettungspaketen und im Eurosystem. Solange man aber nicht weiß, wie hoch ein möglicher Schuldenschnitt ausfallen würde und wie die Abschreibungsmodalitäten der Europäischen Zentralbank aussehen, lassen sich die genauen Verluste nicht exakt beziffern.
  • Nennenswerte realwirtschaftliche Effekte sind für Deutschland nicht zu erwarten. Die Handelsverflechtungen zwischen Deutschland und Griechenland sind im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise bereits dramatisch zurückgegangen. Die deutschen Warenexporte nach Griechenland sind seit 2008 um 40 Prozent eingebrochen und erreichten im Jahr 2014 nur noch einen Wert von fünf Milliarden Euro, was einen Anteil an den gesamten deutschen Exporten von nur 0,4 Prozent entspricht.
  • Mit den neu geschaffenen Institutionen und der positiven Entwicklung der anderen Staaten, die externe Hilfe erfahren haben, ist die EU gut aufgestellt und Ansteckungseffekte sind nicht zu erwarten.

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17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”
Interview, 13. November 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”Arrow

Mit dem bisherigen Gesprächstempo werde es eng für einen kontrollierten Brexit, sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Briten hätten mit ihrer bisherigen „Strategielosigkeit” die Chance vertan, die Trennung konstruktiv zu gestalten. mehr

9. November 2017

Thomas Puls / Thilo Schaefer Klimapolitik: Die CO2-WeltArrow

Das große Ziel der internationalen Klimapolitik ist die Verringerung der globalen Kohlendioxid-Emissionen. Darum geht es auch auf dem derzeit in Bonn stattfindenden UN-Klimagipfel. Dies ist keine leichte Aufgabe – vor allem in Anbetracht der sich rasant entwickelnden Volkswirtschaften in China und Indien. Die CO2-Welt in Grafiken. mehr auf iwd.de