Griechenland-Krise Image
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Und könnte solch ein klarer Schnitt die Unsicherheit beenden und die Krise eindämmen? Ein solcher Schritt würde zwar die Unsicherheit über die Frage beenden, ob es einen Schuldenschnitt geben wird oder nicht, er würde aber eine neue Unsicherheit über die Folgen eines solchen Schnitts begründen. Grundsätzlich gilt: Die Bedienung der Staatsschulden setzt voraus, dass im Primärhaushalt ein hinreichender Überschuss zur Bedienung der Zinslasten existiert. Dieser müsste in Griechenland bei rund 5 Prozent liegen, was unrealistisch ist. Insofern wird eine Restrukturierung der Staatsschuld mittelfristig unvermeidbar sein. Sinnvollerweise sollte dann der Primärhaushalt im Ausgleich sein, so dass die Märkte erkennen, Griechenland ist in der Lage, seine sonstigen Verpflichtungen nachhaltig zu tragen. Nach den vorliegenden Prognosen sollte Griechenland 2012, spätestens 2013 den Primärhaushalt ausgleichen können.

Zu empfehlen ist eine marktmäßige Restrukturierung der ausstehenden Schuld, indem am Sekundärmarkt griechische Staatsanleihen aufgekauft werden. Dann würden die Gläubiger einen Schuldenschnitt nach Marktwert von z.B. 50 Prozent akzeptieren. Als Käufer sollte der EFSF fungieren, der die aufgekauften Papiere auf den Kaufpreis umwertet und entsprechend als Forderung gegen Griechenland in der Höhe zu langfristigen Konditionen (Zinsniveau z.B. 300 Basispunkte über den Refinanzierungskosten des EFSF) stellt. Die EZB könnte dann ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen an den ESFS veräußern und wäre so aus der Gefahr befreit, von der Finanzpolitik überrollt zu werden. Auf diese Weise könnte der Schuldenschnitt ohne Schuldenevent organisiert werden. Sinnvollerweise sollten sich dies nur Altschulden von vor dem 1.1.2010 beziehen.

Wichtig ist es, dass endlich auch auf Seiten Europas akzeptiert wird, dass die Sanierung Griechenlands keine Kurzgeschichte ist, sondern eine Dekade erfordert. Deshalb ist es notwendig, dieses Land für einen solchen Zeitraum vom Kapitalmarkt zu isolieren und über entsprechende Auflagen den Prozess der Genesung zu begleiten und zu bewachen. Wenig hilfreich ist ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Ein Euro-Austritt wird propagiert, um durch die Abwertung die wirtschaftliche Anpassung zu erleichtern. Abgesehen von der technischen Umsetzung (Kapitalflucht etc.) würde die Abwertung sehr dramatisch und kurzfristig sehr deutlich negative Effekte beim BIP auslösen (J-Kurven-Effekt), mit der Folge, dass der Schuldenschnitt viel kräftiger sein müsste als ohnehin, weil Griechenland mit seiner neuen Währung zumindest auf kurze und mittlere Sicht noch mehr aufwenden müssten, um die in Euro und Dollar denominierten Staatsanleihen zu bedienen. Derzeit wird durch Reallohnsenkungen und Anpassungen der Sozialleistungen etc. versucht, eine Ersatzabwertung zu organisieren. So oder so muss Griechenland durch eine harte Anpassung. Die Glaubwürdigkeit der Anstrengungen innerhalb der Eurozone dürfte auch wegen des entfallenden J-Kurven-Effekts größer sein. In jedem Fall benötigt die Sanierung mindestens eine Dekade.

Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperity
Gastbeitrag, 20. Juni 2017

Hubertus Bardt on KKC International Platform Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperityArrow

In an environment with growing protectionism and the danger of economic disintegration and shocks for the global trade policy system, a free trade agreement between Japan and Europe could set a positive example. Progress in the negotiations are necessary to foster growth and prosperity and to send a message to other countries, that modern market economies rely on good trade relations. mehr

20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

Brexit
IW-Nachricht, 19. Juni 2017

Jürgen Matthes Brexit: Missverständnisse vermeidenArrow

Fast ein Jahr nach dem Referendum beginnen heute die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Die Lage scheint vertrackt, doch in der öffentlichen Debatte wird die bisherige Position der britischen Regierung häufig missverstanden – und damit auch die Chancen für konstruktive Verhandlungen übersehen. mehr