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Griechenland ringt seit Wochen mit seinen Privatgläubigern um einen Schuldenerlass von 50 Prozent oder mehr. Die Verhandlungen stocken, weil einige Hedgefonds sich offenbar nicht beteiligen wollen und auf Kosten der übrigen Investoren für sich auf volle Rückzahlung und hohe Gewinne hoffen. Den übrigen Privatgläubigern droht ohnehin schon ein Forderungsverzicht von mehr als der Hälfte. Zudem wird bereits darüber diskutiert, ob die Eurostaaten das zweite Rettungspaket für Griechenland noch einmal deutlich aufstocken.

Deshalb ist die Forderung aufgekommen, auch jene griechischen Staatsanleihen in die Umschuldung einzubeziehen, die die EZB am Finanzmarkt gekauft hat, um Griechenland zu stützen. Dabei geht es immerhin um schätzungsweise 40 Milliarden Euro. Die EZB würde bei einem Schuldenschnitt also ordentlich Geld verlieren und ihre Unabhängigkeit in Gefahr bringen – denn letztlich würden die Währungshüter auf diese Weise indirekte Staatsfinanzierung betreiben.

Doch ein Kompromiss ist in Sicht. Denn die EZB hat die Anleihen zu einem – unbekannten – Preisabschlag am Finanzmarkt gekauft. Um ihre Unabhängigkeit zu wahren, könnte die EZB die Staatsanleihen zunächst zum niedrigen Kaufpreis an den Euro-Rettungsschirm verkaufen. Der wiederum würde dann Griechenland einen Schuldenerlass in Höhe des Preisabschlags gewähren – also der Differenz zwischen niedrigem Kaufpreis und ursprünglichem Wert der griechischen Staatsanleihen. Diese blieben dann bis zum Laufzeitende im Besitz des Rettungsfonds.

Auf diese Weise würden Griechenlands Schulden weiter sinken, die EZB wäre elegant aus dem Rennen und die europäischen Steuerzahler würden nicht belastet. Nur die verfügbaren Hilfsmittel des Euro-Rettungsschirms wären dadurch etwas geschmälert.

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Zinswende: Bloß nicht zu schnell
Gastbeitrag, 5. November 2017

Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Zinswende: Bloß nicht zu schnellArrow

Die geringen Zinsen fördern die Staatsverschuldung, sie belasten Versicherungen und deren Kunden, erschweren die Altersvorsorge und können zu Spekulationsblasen führen. Auf Dauer muss die EZB daher den Leitzins erhöhen, schreiben die IW-Ökonomen Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Aber die Wende sollte behutsam geschehen – sonst drohen enorme Risiken. mehr