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Die griechischen Banken sind auf Notkredite angewiesen. Quelle: ibphoto Fotolia

Entscheidend für den Verbleib Griechenlands im Euroraum ist, ob das Land hinreichend zu Reformen bereit ist und ob die griechischen Banken weiter Zugang zum Euro-Geldsystem haben. Griechenland war 2012 ja schon einmal bankrott und hat umgeschuldet. Es blieb aber im Euro, weil es sich auf eine Reformstrategie einließ und ein weiteres Hilfspaket bekam. Die Folgen des Bankrotts für die Banken und für die EZB wurden von den Hilfsgebern mit teuren Kapitalspritzen und Garantien für die von der EZB gehaltenen Staatsanleihen abgefedert. Ohne das Bekenntnis Athens zu hinreichenden Reformen ist eine solche Konstruktion heute aber nicht möglich.

Die griechischen Banken allerdings sind auf die Notkredite der griechischen Zentralbank angewiesen, die von der EZB wöchentlich genehmigt werden müssen. Die EZB darf diese Genehmigung nur erteilen, wenn die griechischen Banken weiter solvent sind. Das ist aus drei Gründen nicht mehr gegeben, wenn es Montag zu keiner Einigung kommt. Erstens wird es vermutlich zu einem Bank-Run kommen, der die Solvenz der Geldinstitute gefährdet. Zweitens wird Griechenland sehr wahrscheinlich kein Geld haben, um eine fällige Rate beim IWF zu bezahlen. Damit ist das Land formell oder informell zahlungsunfähig, was den Wert der Staatsanleihen in den Bankbilanzen weiter senken und dort zu erheblichen Verlusten führen würde. Drittens steigt die Last der notleidenden Kredite in den Bankbilanzen mit der Aussicht auf eine drohende massive Wirtschaftskrise. Hier liegt die Achillesferse von Tsipras Verhandlungsstrategie.

Die Verlierer des anstehenden Endspiels bei den Gipfelverhandlungen am Montag stehen schon fest, wenn es zu keiner Einigung kommt: Es sind die Menschen und die Wirtschaft in Griechenland.

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