Gesetzliche Krankenversicherung Image
Quelle: Fotolia

Geht es um die Rücklagen, die der Gesundheitsfonds und zahlreiche Krankenkassen mittlerweile gebildet haben, winken Politiker und Kassenfunktionäre ab. Der Ausgabenanstieg werde schon früh genug zu Defiziten führen und dafür wolle man gewappnet sein, heißt es zur Begründung. Doch selbst im laufenden Jahren scheint sich nach ersten Presseberichten die günstige Finanzentwicklung bei AOK und Co. fortzusetzen.

Unabhängig davon, dass nach dem Gesetz einzelne Kassen nicht mehr als das 1,5-Fache einer Monatsausgabe horten dürfen, fehlt ihnen das Mandat, Vorräte anzulegen. Denn die Logik des Umlageverfahrens erzwingt nicht nur höhere Beiträge, sobald Defizite auftreten – auch umgekehrt müssen sich bei andauernden Überschüssen die Beitragslasten verringern. Anderenfalls droht ein „lock-in-Effekt“: Die Aussicht auf mögliche Rückerstattungen hindert die wechselwilligen Mitglieder, sich nach Alternativen umzuschauen. Außerdem weckt das Wissen um Reserven weitere Begehrlichkeiten bei Ärzten und Co.

Sinken aber die Beiträge, profitieren hiervon nicht nur die Versicherten. Es steigt auch der Wettbewerbsdruck, nach effizienten Versorgungsmöglichkeiten zu streben.

IW policy paper
IW policy paper, 27. März 2017

Susanna Kochskämper Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung bietet viele PotenzialeArrow

Warum wissen so wenige Patienten, dass sie sich auch im EU-Ausland medizinisch behandeln lassen dürfen – zu den gleichen Konditionen wie im Inland und ohne zusätzliche Auslandskrankenversicherung? Und warum wird diese Möglichkeit bisher so wenig genutzt, obwohl die nationalen Gesundheitssysteme davon profitieren könnten? mehr