Die rückläufige Kreditvergabe in der Eurozone beschäftigt die Europäische Zentralbank (EZB). In Spanien sank das Kreditvolumen beispielsweise im November 2013 um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch in Griechenland, Italien und Portugal ging das Kreditvolumen zurück. Selbst Deutschland hatte einen leichten Rückgang um 0,3 Prozent zu verzeichnen. Das liegt aber daran, dass sich die deutschen Unternehmen derzeit stärker über einbehaltene Gewinne finanzieren.

Das gesunkene Kreditvolumen in der Eurozone ist vor allem Ausdruck der Entschuldung in den Krisenländern. Die Banken bereinigen ihre Bilanzen, und die Unternehmen und Haushalte bauen einen Teil ihrer Schulden ab – ein unausweichlicher Vorgang, wollen die Akteure ihre Schulden wieder aus eigener Kraft tragen können. Gegen diesen heilsamen Prozess sollte die EZB nichts tun: weder negative Zinsen für Banken festlegen, noch die Vergabe von Zentralbankliquidität an eine anschließende Kreditvergabe binden.

Dauerhaft niedrige oder gar negative Zinsen werden die Kreditvergabe ohnehin nicht ankurbeln. Vielmehr destabilisieren geringe Zinsen den Bankensektor, weil sie die Erträge der soliden Banken verringern. Die zweite Maßnahme, die Vergabe von Liquidität an eine Kreditvergabe zu knüpfen, greift zu stark in die Entscheidungen der Banken ein. Die Vorgabe könnte dazu führen, dass Banken Kredite an bonitätsschwache Schuldner vergeben, um an Liquidität der Zentralbank zu kommen.

Ohnehin wird die EZB im Rahmen ihres neuen Aufsichtsmandats demnächst die Bankbilanzen genau durchleuchten. Entdeckt sie Kapitallücken, sollte sie das betroffene Kreditinstitut restrukturieren und die Bilanz bereinigen. Wenn der Bankensektor auf diese Weise allmählich gesundet, dürfte auch der Kreditfluss in den Krisenländern wieder in Gang kommen – ganz ohne negative Zinsen.