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Nötig geworden war diese Maßnahme aufgrund der starken Verunsicherung auf dem Interbankenmarkt. Die Kreditinstitute des Euroraums hatten sich in letzter Zeit untereinander immer weniger vertraut und kaum noch gegenseitig mit Liquidität versorgt. Stattdessen lagerten die Banken ihr Geld bei der EZB. Ob die Europäische Zentralbank mit dieser Maßnahme nachhaltigen Erfolg erzielt, ist allerdings fraglich. Mit der Bereitstellung der Gelder sorgt sie zwar dafür, dass die Banken weiterhin liquide bleiben, doch weder die Schuldenkrise der Länder noch die Vertrauenskrise unter den Banken werden mit diesem Refinanzierungspaket gelöst. Es ist sogar zu befürchten, dass die Kreditinstitute das frische Geld nicht zur gegenseitigen Kreditvergabe nutzen, um es dann beispielsweise in europäische Staatsanleihen zu investieren, sondern dass sie es wieder bei der Zentralbank deponieren.

Unterm Strich ist die Liquiditätsoffensive der EZB deshalb nur als Tropfen auf den heißen Stein zu werten. Denn die Ursache des mangelnden Vertrauens der Banken untereinander, die Euro-Krise, löst die EZB mit ihrer Aktion nicht. Dies zeigte sich bereits am Mittwoch, als die Kurse spanischer und italienischer Anleihen wieder deutlich fielen. Die EZB kann mit ihrem Finanzierungsgeschäft höchstens ein psychologisches Signal setzen und die Angst der Märkte ein wenig lindern. Weil das aber auf Dauer nicht reichen dürfte, ist die nächste Liquiditätspritze bereits für den Februar angekündigt.

Gastbeitrag, 28. September 2017

Daniel Bendel und Markus Demary auf Focus Online Hebt die EZB die Zinsen an, bekommen 800.000 Unternehmen ProblemeArrow

Mit ihren niedrigen Zinsen hat die EZB vielen Unternehmen geholfen, die Krise zu überwinden - aber nicht allen. Würden die Zinsen steigen, hätten vor allem Firmen aus Italien, Griechenland und Frankreich ein Problem, schreiben die IW-Ökonomen Daniel Bendel und Markus Demary in einem Gastbeitrag auf Focus Online. mehr

Eurozone
IW-Nachricht, 27. September 2017

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Emmanuel Macrons Reformvorschläge für die Eurozone schießen über das Ziel hinaus. Sie sind mit Blick auf den Ausgang der Bundestagswahl unrealistisch und überambitioniert. Die Eurozone braucht zunächst ein gemeinsames Verständnis über die elementaren Kernfragen der Eurozone. mehr

Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hart
Pressemitteilung, 20. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hartArrow

Derzeit liegen die Zinsen im Euroraum auf einem Tiefststand. Sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer expansiven Geldpolitik verabschieden, könnten viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten kommen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr