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Nötig geworden war diese Maßnahme aufgrund der starken Verunsicherung auf dem Interbankenmarkt. Die Kreditinstitute des Euroraums hatten sich in letzter Zeit untereinander immer weniger vertraut und kaum noch gegenseitig mit Liquidität versorgt. Stattdessen lagerten die Banken ihr Geld bei der EZB. Ob die Europäische Zentralbank mit dieser Maßnahme nachhaltigen Erfolg erzielt, ist allerdings fraglich. Mit der Bereitstellung der Gelder sorgt sie zwar dafür, dass die Banken weiterhin liquide bleiben, doch weder die Schuldenkrise der Länder noch die Vertrauenskrise unter den Banken werden mit diesem Refinanzierungspaket gelöst. Es ist sogar zu befürchten, dass die Kreditinstitute das frische Geld nicht zur gegenseitigen Kreditvergabe nutzen, um es dann beispielsweise in europäische Staatsanleihen zu investieren, sondern dass sie es wieder bei der Zentralbank deponieren.

Unterm Strich ist die Liquiditätsoffensive der EZB deshalb nur als Tropfen auf den heißen Stein zu werten. Denn die Ursache des mangelnden Vertrauens der Banken untereinander, die Euro-Krise, löst die EZB mit ihrer Aktion nicht. Dies zeigte sich bereits am Mittwoch, als die Kurse spanischer und italienischer Anleihen wieder deutlich fielen. Die EZB kann mit ihrem Finanzierungsgeschäft höchstens ein psychologisches Signal setzen und die Angst der Märkte ein wenig lindern. Weil das aber auf Dauer nicht reichen dürfte, ist die nächste Liquiditätspritze bereits für den Februar angekündigt.

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Zinswende: Bloß nicht zu schnell
Gastbeitrag, 5. November 2017

Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Zinswende: Bloß nicht zu schnellArrow

Die geringen Zinsen fördern die Staatsverschuldung, sie belasten Versicherungen und deren Kunden, erschweren die Altersvorsorge und können zu Spekulationsblasen führen. Auf Dauer muss die EZB daher den Leitzins erhöhen, schreiben die IW-Ökonomen Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Aber die Wende sollte behutsam geschehen – sonst drohen enorme Risiken. mehr