Bereits in der IW-Konjunkturumfrage in diesem Frühjahr äußersten sich die deutschen Exporteure pessimistisch: Ihre Erwartungen bezüglich der Entwicklung des Exportgeschäfts in diesem Jahr waren so düster wie seit Ende 2009 nicht mehr. Die Sorgen waren berechtigt – der Welthandel lag bereits in der ersten Jahreshälfte trotz leicht anziehender globaler Industrieproduktion unter dem Vorjahreswert. Einen solchen Rückgang gab es zuletzt in der zweiten Jahreshälfte des Krisenjahres 2009.

Die maue Entwicklung des Welthandels ist auf zahlreiche Faktoren zurückzuführen und kaum einer dieser Faktoren ist kurzfristiger Natur. Der bevorstehende Brexit ist eine große Herausforderung nicht nur für die Unternehmen, die mit dem Vereinigten Königreich Handel treiben. Auch ihre Zulieferer und Kunden wären betroffen, sollte es nicht gelingen, eine Einigung in den Handelsfragen zu erzielen. Ähnliches gilt für den Handelskonflikt der USA mit wichtigen Handelspartnern, allen voran China. Die beteiligten Länder leiden bereits jetzt unter den Handelsbeschränkungen.

Die chinesische Führung hat im Laufe des Jahres zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Wachstumskurs aufrechtzuerhalten: eine Senkung der Mehrwertsteuersätze, milliardenschwere Investitionsprojekte im Bereich der Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur, eine Lockerung der Kreditvergabepolitik.

Anhaltende Unsicherheit wird zur dauerhaften Belastung

Und auch die USA bekommen die selbst verursachten Risiken zu spüren, wie die Konjunkturzahlen im zweiten Quartal beweisen. Der Rückgang der privaten Investitionen hat das Wirtschaftswachstum so stark nach unten gezogen wie zuletzt vor zehn Jahren. Deshalb musste der Staat einspringen – er hat den größten Wachstumsbeitrag seit dem zweiten Quartal 2009 geleistet. 
Während diese kurzfristigen Impulse der Politik die konjunkturellen Schwankungen vorübergehend ausgleichen können, wird die anhaltende Unsicherheit die wirtschaftliche Entwicklung dauerhaft belasten. Der sich zuspitzende Protektionismus bedroht zunehmend das Geschäftsmodell global agierender Unternehmen.

Der heute vermeldete Rückgang der deutschen Exporte im August 2019 um fast vier Prozent gegenüber dem Vorjahreswert ist eine weitere Bestätigung dafür. Zwar kann die Wirtschaftspolitik in Deutschland eher wenig Einfluss auf die globalen Risiken nehmen, trotzdem muss die Bundesregierung dringend handeln und durch Wachstumspolitik für Verlässlichkeit sorgen. Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Digitales und Bildung können den globalen Risiken genauso entgegenwirken wie weitere Bemühungen zum Bürokratieabbau und zur Vereinfachung des Steuersystems. In einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld ist es entscheidend, die Wachstumskräfte Deutschlands von innen zu stärken, um die Zukunftsfähigkeit des deutschen Wohlstandes zu sichern.