Den fast 500 Millionen Nordamerikanern bleiben die Vorteile des freien Handels also erhalten: Kanada, Mexiko und die USA habe sich in letzter Minuten geeinigt, das Desaster ist somit vorerst abgewendet. Aus NAFTA wird USMCA.

Für die Weltwirtschaft und vor allem die exportorientierten deutschen Unternehmen sind das gute Nachrichten. Denn das Freihandelsabkommen NAFTA ist eine der wichtigsten Grundlagen für zahlreiche Investitionsprojekte global aufgestellter Unternehmen. Beispiel Mexiko: Das Land hat sich zu einem der größten Automobilhersteller der Welt entwickelt. Über vier Millionen Fahrzeuge kamen 2017 aus Mexiko, mehr als doppelt so viele wie aus dem Vereinigten Königreich. Investiert haben vor allem Konzerne aus den USA und Europa, die deutsche Automobilindustrie hat vor Ort zahlreiche Werke eröffnet. Die Hersteller verkaufen ihre Fahrzeuge überwiegend in die USA. Davon profitieren alle: Das Arrangement bringt Wohlstand für Mexiko, günstigere Autos für US-Amerikaner und niedrigere Kosten für die Mutterkonzerne.

Für den Strategen Donald Trump ist die Einigung – kurz vor den wichtigen US-Halbzeitwahlen – ein weiterer Punkt auf der Haben-Seite. Auch für die Präsidentschaftswahl in zwei Jahren dürfte ihm die erfolgreiche NAFTA-Neuverhandlung Stimmen sichern, zusammen mit der Steuerreform und der Wiederbelebung der Stahlindustrie. Dass vor allem letztere nicht im Interesse der US-Wirtschaft ist und langfristig Arbeitsplätze kostet, wird wohl vor der Wahl in zwei Jahren kaum zu erkennen sein. Die gute Konjunktur sorgt bis dahin weiterhin für positive Wirtschaftsmeldungen.

Selbst der Handelsstreit mit China ist aus polit-ökonomischer Sicht perfekt inszeniert: Indem die USA dieses Jahr die Importe aus dem Reich der Mitte mit Zöllen von zehn Prozent belegen und es im kommenden Jahr 25 Prozent werden könnten, gibt es viele vorgezogene Einkäufe. 2019 dürfte der Handel mit China entsprechend einbrechen und im Wahljahr 2020 kann der US-Präsident vermelden, das Handelsdefizit mit der Weltfabrik China reduziert zu haben. Und auch hier werden sich die Schäden so richtig erst in einigen Jahren zeigen: Langfristig beeinträchtigen die Zölle Lieferketten und zwingen betroffene Unternehmen dazu, ihre Preise zu erhöhen.

Donald Trump bleibt somit weiterhin auf Kurs – allerdings steckt hinter dem Slogan „America First“ vor allem „Trump First“. Die Kosten für sein Programm tragen jedoch nicht nur die US-Amerikaner: Die Zerrüttung der Welthandelsorganisation und die konstant hohe Unsicherheit und Unberechenbarkeit schadet letztlich der ganzen Welt.