Frauenquote und Mindestlohn Image
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Neben den bekannten Problemen der Effizienz und Treffsicherheit von Mindestlohn und Frauenquote vernachlässigt die öffentliche Debatte, dass politische Interventionen Fehlanreize mit sich bringen. Wie diese aussehen, zeigen ökonomische Experimente, durch die politische Interventionen isoliert betrachtet und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge identifiziert werden können.

Zwei Befunde der experimentellen Wirtschaftsforschung, die das IW Köln in einer neuen Studie analysiert, belegen eindeutig, dass sowohl die Frauenquote als auch der Mindestlohn das Gerechtigkeitsempfinden beeinflussen – allerdings nicht wunschgemäß:

  • Die Personalauswahl durch eine Quote wird demnach als weniger gerecht empfunden und die Kooperationsbereitschaft in entsprechenden Teams sinkt. Denn Menschen wollen, dass Führungspositionen allein mit Blick auf die Leistung und nicht aufgrund irrelevanter Kriterien wie dem Geschlecht besetzt werden.
  • Die Einführung eines Mindestlohns führte im ökonomischen Experiment zu insgesamt steigenden Lohnerwartungen – auch oberhalb der Lohnuntergrenze. Selbst als der Mindestlohn wieder abgeschafft wurde, blieben die erhöhten Erwartungen bestehen – denn die Einstellung, was ein gerechter Lohn ist, hatte sich verändert.

Einmal eingeführt, lässt sich eine politische Maßnahme nicht ohne weiteres rückgängig machen. Einstellungen und Gerechtigkeitswahrnehmung haben sich nachhaltig an den neuen Status Quo angepasst.

IW policy paper

Mara Ewers / Andrea Hammermann: Quid pro quo – Die Rolle des Gerechtigkeitsempfindens bei politischen Interventionen

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Ansprechpartner

8. März 2017

Frauenquote Dieser Weg wird steinig und schwerArrow

Seit Januar 2016 müssen in Deutschland börsennotierte Unternehmen freie Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen, bis ihr Anteil in diesem Gremium 30 Prozent ausmacht. Darüber hinaus gilt für die Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen an Führungspositionen – mit dem Ziel der Geschlechterparität. In den vergangenen beiden Jahren haben es zwar mehr Frauen in Aufsichtsräte, Vorstände und Leitungsstellen geschafft, aber bis hier ein Gleichgewicht erreicht ist, dürften noch einige Jahrzehnte vergehen. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 8. März 2017

Wido Geis Töchter arbeiten weniger im Haushalt mitArrow

Mädchen im Teenageralter verbringen heute weniger Zeit mit Hausarbeit als noch vor zehn Jahren. Lag der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die im Schnitt über 45 Minuten am Tag mithelfen, zu Beginn des neuen Jahrtausends bei 68,2 Prozent, so sind es heute nur noch 45,7 Prozent. Damit haben die geschlechterspezifischen Rollenunterschiede der Kinder in der Familie deutlich abgenommen. mehr

Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männern
IW-Kurzbericht, 17. Januar 2017

Holger Schäfer / Jörg Schmidt Arbeitszeitwünsche von Frauen und MännernArrow

Frauen und Männer haben unterschiedliche Präferenzen hinsichtlich des Umfangs ihrer Arbeitszeit. Eine Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) verdeutlicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentrale Ursache für divergierende Arbeitszeitwünsche darstellt. Allerdings unterscheiden sich die Wunscharbeitszeiten auch bei Frauen und Männern ohne Betreuungspflichten noch deutlich. mehr