Flughäfen Image
Quelle: Fotolia

Mit Bodendiensten werden auf europäischen Flughäfen jährlich rund 13 Milliarden Euro umgesetzt. Etwa 60.000 Mitarbeiter fertigen Fracht und Gepäck ab, tanken und reinigen die Flugzeuge, bewirten die Passagiere und schleusen sie durch die Sicherheitskontrollen. Traditionell wickelt entweder die Flughafengesellschaft oder die dominierende Airline diese Dienste ab. Am Frankfurter Flughafen erledigt etwa die Fraport AG fast alle dieser Aufgaben.

Die Europäische Kommission hat schon 1996 versucht, das Quasi-Monopol der Flughafenbetreiber zu knacken und eine Richtlinie verabschiedet, die für einige Dienste konkurrierende Anbieter zuließ. Dennoch sehen sich neue Wettbewerber weiterhin mit hohen Markteintrittsbarrieren konfrontiert, denn die staatlichen Genehmigungsstellen kooperieren häufig mit den Altanbietern. In Deutschland etwa haben die Landesbehörden ein Interesse daran, neue Wettbewerber abzuwehren und damit Preiskämpfe zu verhindern, weil den Ländern oft die Flughäfen und damit auch die Altanbieter von Bodendiensten gehören.

Im Jahr 2011 legte die Europäische Kommission deshalb nach und brachte eine Verordnung ein, die mindestens drei Wettbewerber verbindlich vorschrieb. Ende 2012 stoppte das Europäische Parlament die Verordnung allerdings, weil die Abgeordneten befürchteten, dass mehr Wettbewerb die Rechte der Arbeitnehmer beeinträchtige und darüber hinaus die Koordination auf den Flughäfen erschwere. Die EU-Parlamentarier blieben auch bei ihrer Ablehnung, als die Kommission eine Übernahmegarantie für die Beschäftigten der bisherigen Anbieter in ihren Entwurf aufnahm.

Seither feilen die Bürokraten der Kommission weiter an ihrem Vorhaben. So sollen zusätzliche private Dienstleister inzwischen nur noch auf Flughäfen mit mehr als 15 Millionen Passagieren erlaubt sein – in Deutschland also in Frankfurt, München, Berlin und Düsseldorf. Das EU-Parlament hatte den Vorschlag im April bereits grundsätzlich gebilligt. Nun aber stellt Parlamentspräsident Martin Schulz die Zustimmung wieder infrage und stellt sich damit auf die Seite der Profiteure des Monopols. Die EU-Kommission hat noch viel Arbeit vor sich, wenn sie sich gegen die Allianz von Flughäfen, Landesregierungen, Betriebsräten und EU-Parlamentariern durchsetzen will.

Ansprechpartner

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”
Interview, 13. November 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”Arrow

Mit dem bisherigen Gesprächstempo werde es eng für einen kontrollierten Brexit, sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Briten hätten mit ihrer bisherigen „Strategielosigkeit” die Chance vertan, die Trennung konstruktiv zu gestalten. mehr

9. November 2017

Thomas Puls / Thilo Schaefer Klimapolitik: Die CO2-WeltArrow

Das große Ziel der internationalen Klimapolitik ist die Verringerung der globalen Kohlendioxid-Emissionen. Darum geht es auch auf dem derzeit in Bonn stattfindenden UN-Klimagipfel. Dies ist keine leichte Aufgabe – vor allem in Anbetracht der sich rasant entwickelnden Volkswirtschaften in China und Indien. Die CO2-Welt in Grafiken. mehr auf iwd.de