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Schätzungsweise 3,5 Milliarden Euro muss Deutschland 2017 für die Integration von Flüchtlingen ins Bildungssystem ausgeben. Dennoch sollte an dieser Stelle keinesfalls gespart werden. Foto: Yuri Arcurs/iStock

Aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamts zufolge haben die deutschen Städte und Gemeinden im ersten Quartal 2016 allein im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets für junge Asylbewerber 8,7 Millionen Euro ausgezahlt. In diesem Paket stecken jedoch nur die Ausgaben für Schulausflüge, Fahrtkosten, Schulbedarf, Mittagessen in den Schulen, Nachhilfe und Vereinsmitgliedschaften. Insgesamt muss die Bundesrepublik nach Schätzungen des IW Köln im Jahr 2017 rund 3,5 Milliarden Euro für eine erfolgreiche Integration der bis Ende 2016 zugewanderten Flüchtlinge ins deutsche Bildungssystem ausgeben. Davon entfallen fast 2 Milliarden auf frühkindliche Bildung und allgemeinbildende Schulen sowie 1,5 Milliarden auf die berufliche und hochschulische Bildung. Damit stellt die Integration der Flüchtlinge in das Bildungssystem zunächst eine spürbare Zusatzbelastung für die Steuerzahler dar.

Dennoch sollte an dieser Stelle keinesfalls gespart werden, da es sich um eine lohnende Investition handelt. Das gilt insbesondere für die Sprachförderung. Eine aktuelle Studie des Statischen Bundesamts zeigt, dass von den Zuwanderinnen und Zuwanderern im erwerbsfähigen Alter mit fließenden Deutschkenntnissen 77 Prozent erwerbstätig sind und somit über ihre Sozialabgaben und Lohnsteuern zur Finanzierung der öffentlichen Hand beitragen - von den Flüchtlingen, die lediglich Grundkenntnisse in Deutsch haben, sind nur 52 Prozent erwerbstätig. Wie wichtig der Spracherwerb für die Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt ist, macht auch der aktuelle Integrationsmonitor des IW Köln deutlich: Demnach sehen zwei Drittel der Unternehmen in unzureichenden Deutschkenntnissen eine große Hürde für die Einstellung von Flüchtlingen.

Daher sollte die Politik die Rahmenbedingungen für den Spracherwerb von Flüchtlingen weiter verbessern. Im Bereich der frühkindlichen Bildung und Schulen muss das pädagogische Personal noch besser im Umgang mit Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache geschult werden. Aber auch Programme zu Schuleinstieg und Sprachförderung von Zuwandererkindern, wie die Willkommensklassen, müssen weiterentwickelt werden. Trotz des Rückgangs der Flüchtlingszahlen dürfte der Bedarf steigen, da viele Kinder erst in den nächsten Monaten im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland kommen dürften.

Nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge sollten möglichst schnell nach ihrer Ankunft in Deutschland einen Integrationskurs besuchen können. Rechtlich ist dies aber derzeit nur für Asylbewerber mit sogenannter guter Bleibeperspektive möglich – aber zum Bespiel nicht für Afghanen, obwohl fast 45 Prozent von ihnen im Juli 2016 ein Bleiberecht erhalten haben. Zudem ist nicht sichergestellt, dass die Teilnehmer am Ende des Integrationskursen das angestrebte Sprachniveau B1 erreichen und die Abschlussprüfung schaffen. Dies ist jedoch vielfach Grundvoraussetzung für die Teilnahme an weiterführenden Qualifizierungsmaßnahmen.

Ansprechpartner

18. Oktober 2017

Sarah Pierenkemper Weibliche Flüchtlinge gezielt integrieren Arrow

Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt ist eine große Herausforderung – das gilt vor allem für weibliche Flüchtlinge. Denn zu den vielen Aufgaben, die Migranten in Deutschland meistern müssen, kommt für den Großteil der Frauen noch etwas Spezifisches hinzu: die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Pflichten. mehr auf iwd.de

Gutachten
Gutachten, 28. September 2017

Markus Körbel / Sarah Pierenkemper / Michael Zibrowius Fachkräftesicherung deutscher Unternehmen im AuslandArrow

Die vorliegende Studie untersucht die Ausbildungsstrategien deutscher Unternehmen in Schwellenländern. Anhand teilstrukturierter Interviews wird exemplarisch auf die Erfahrungen von 16 Unternehmen in sechs Ländern eingegangen, um daraus ableitend Handlungsempfehlungen für die Ausbildung und Fachkräftesicherung im Ausland zu formulieren. mehr

IW-Report
IW-Report, 15. September 2017

Christian Friesl / Wido Geis / Martin Hörmann / Patrick Schellenbauer / Fabian Schnell / Clemens Wallner Migration und Arbeitsmärkte in Deutschland, Österreich und der SchweizArrow

Deutschland, Österreich und die Schweiz sind vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auf die Zuwanderung von Fachkräften angewiesen, um ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten. mehr