FDP-Steuertarif Image
Quelle: Fotolia

Um die Steuerreform zu finanzieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder muss ab 2011 ein strikter Sparkurs eingeschlagen werden, oder die Reform muss spürbare Wachstumsimpulse setzen, damit sie sich selbst finanziert. Für ersteres gibt es noch keine Anzeichen und für letzteres ist es unwichtig, ob der Tarif linear progressiv oder in Stufen verläuft. Um das Wachstum anzuschieben kommt es nämlich nur auf die Höhe der Steuersätze an, und was sie von einem Hinzuverdienst übriglassen. Ein Stufentarif macht es dann dem Steuerzahler einfacher auszurechnen, was ihm von einer Lohnerhöhung bleibt. Das mag psychologisch schon wichtig sein, um die Leistungsbereitschaft zu vergrößern. Und wer eine Tarifstufe ganz durchläuft, ohne eben in die nächste hineinzuspringen, hat die größten Vorteile aus der FDP-Reform. Es hängt deshalb davon ab, wie gut die Steuerpflichtigen ihre Steuerlast im gegenwärtigen Tarif kennen und ob sie den Stufentarif als Verbesserung wahrnehmen. Eine Wachstumsgarantie gibt es nicht.

Außerdem möchte die FDP die kalte Progression bekämpfen. Dafür ist nicht die Art des Tarifes entscheidend, sondern die Einkommensgrenzen, ab denen die Steuersätze gelten, genauer, ob deren Anhebung die Inflation ausgleicht. Durch die Anhebung der Einkommensgrenze für den Spitzensatz von 42 Prozent auf 53.000 Euro kommt es zu leichten Verbesserungen. In einem Stufentarif wird es allerdings möglich sein, die kalte Progression gezielt in unteren und mittleren Einkommensbereichen zu bekämpfen. So kann z.B. das Einkommen für den Sprung von 14 auf 25 Prozent isoliert angehoben werden, ohne den Rest des Einkommensteuertarifs zu verändern. Das war so bisher nicht möglich.

16. Mai 2017

Martin Beznoska / Tobias Hentze Die sechs wichtigsten Fragen zur Steuerlast der BundesbürgerArrow

Eine gute Nachricht: Die Grundidee des deutschen Steuersystems funktioniert – wer viel verdient, zahlt auch entsprechend mehr Steuern. Eine schlechte Nachricht: Den sogenannten Spitzensteuersatz zahlen auch Menschen, die zwar gut verdienen, aber alles andere als Spitzenverdiener sind. Ein kinderloser Single zum Beispiel muss bereits ab einem Jahresbruttoeinkommen von etwa 65.000 Euro den Einkommenssteuerhöchstsatz von 42 Prozent berappen. mehr auf iwd.de

Die Einkommensteuer im Zeitverlauf
Gutachten, 9. Mai 2017

Martin Beznoska / Tobias Hentze Die Einkommensteuer im ZeitverlaufArrow

Von 1958 bis heute hat die Politik insgesamt 24 Mal den Einkommensteuertarif verändert. Allerdings wurde dabei versäumt, die Tarifgrenzen an die Entwicklung von Preisen und Löhnen anzulehnen. mehr

„Politik muss Arbeit schaffen”
Interview, 26. April 2017

Christoph Schröder auf WDR 5 „Politik muss Arbeit schaffen”Arrow

Soziale Gerechtigkeit zielt in erster Linie darauf, Armut zu mildern und Chancen zu verbessern. Der Armutsforscher Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erklärt im WDR 5-Interview, was die Politik gegen Armut tun sollte. mehr