Image
Quelle: ehrenberg-bilder - Fotolia

Ein solcher Vorwurf geht schon allein deshalb ins Leere, weil es in den vergangenen fünf Jahren immer mehr unbesetzte Lehrstellen als unversorgte Bewerber gab. Um bewerten zu können, ob die Unternehmen tatsächlich angemessen auf den Fachkräftemangel reagiert haben oder nicht, ist zudem zwischen Berufen mit und jenen ohne Fachkräfteengpässen zu unterscheiden. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat dazu im Rahmen des Projektes "Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung“ für das Bundeswirtschaftsministerium aktuelle Zahlen erhoben. Ergebnis: Dort, wo Fachkräfte knapp sind, steigen die Ausbildungsplatzangebote. Hier bieten die Unternehmen inzwischen 16,3 Prozent mehr Ausbildungsplätze an als noch im Jahr 2008.

Die Studie zeigt zudem: Im März 2014 gab es 63 Engpässe in Berufsfeldern, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Dazu zählen 49, in denen sich auch anerkannte Ausbildungsberufe aus dem dualen System befinden. In 14 Berufsfeldern mit Fachkräfteengpässen existieren also keine entsprechenden Ausbildungsberufe, so dass die Unternehmen hier nicht unmittelbar mit eigener Ausbildungstätigkeit reagieren können.

Aus der IW-Studie geht weiter hervor: Seit 2008 haben die Unternehmen in 38 der 49 Berufsfelder mit Fachkräfteengpässen, in denen Ausbildungsberufe vorhanden sind, die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen erhöht. Das heißt, die Unternehmen haben mit Blick auf den Fachkräftemangel bei der deutlich überwiegenden Zahl der Engpassberufe gegengesteuert. Die größten absoluten Zuwächse an Ausbildungsstellen finden sich bei zahnmedizinischen Fachangestellten (3.113 Stellen), Fachkräften für Sanitär, Heizung, Klimatechnik (2.942) und Fachkräften für Kfz-Technik (2.877).

Hinzu kommt schließlich: In den Engpassberufen der Berufsfelder "Metall" sowie "Energie, Elektro und Mechatronik" war die Summe aller angebotenen Ausbildungsstellen in den letzten Jahren stets größer als die Zahl der Bewerber. Bezogen auf alle MINT-Berufe des dualen Ausbildungssystems, die aktuell von Engpässen betroffen sind, ist ein Anstieg der Ausbildungsplätze gegenüber 2008 um gut 17 Prozent auf etwa 86.000 Plätze zu verzeichnen. Allerdings liegt die Bewerberzahl hier mit knapp 90.000 Jugendlichen leicht oberhalb der Stellenzahl. Dieser Bewerberüberhang erklärt sich aber durch viele Bewerber für einzelne Ausbildungsberufe wie den Kfz-Mechatroniker. Dagegen besteht in vielen anderen Berufen ein Bewerbermangel, weil sich Jugendliche bei ihrer Berufswahl auf zu wenige Berufe konzentrieren. So ist die Bewerberzahl für duale Ausbildungsberufe in Engpassberufen um 2,3 Prozent gesunken, während sie für alle Berufe nur um 0,8 Prozent zurückging.

Ansprechpartner

12. Juni 2017

Christiane Konegen-Grenier Erasmus: Ein Ticket für neun Millionen Menschen Arrow

Das europäische Erasmus-Programm, das in diesem Juni seinen 30. Geburtstag feiert, hat zunächst nur Studenten finanziell unterstützt, die ein Auslandssemester absolvieren wollten. Mittlerweile fördert das zu Erasmus+ umgetaufte Projekt nicht nur einen deutlich größeren Personenkreis, sondern umfasst auch sämtliche Bildungsbereiche. Allein 2015 investierte Brüssel dafür mehr als 2,1 Milliarden Euro. mehr auf iwd.de

Veranstaltung, 11. Mai 2017

62. Bildungspolitisches Treffen Lernen und Arbeiten in der digitalen WeltArrow

Am 11. und 12. Mai 2017 fand das traditionelle Bildungspolitische Treffen im IW Köln mit großer Beteiligung statt. Ziel war es, gemeinsam mit den Teilnehmern auszuloten, welche Anforderungen und Chancen sich aus der Digitalisierung für das berufliche und betriebliche Lernen ergeben. mehr

IW-Kurzbericht, 5. Mai 2017

Wido Geis Qualifizierung ist der Schlüssel zur erfolgreichen IntegrationArrow

Ein großer Teil der in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen Flüchtlinge ist inzwischen am deutschen Arbeitsmarkt angekommen. Jetzt stellt sich die Herausforderung, diese Personen zu integrieren. Dabei spielt die Qualifizierung eine zentrale Rolle. mehr