Hinter den Rating-Herabstufungen steht eine mehrfache Sorge:

  1. Die Finanzkrise hat Südeuropa hart getroffen – und das in einer Situation ohnehin schwacher Konjunktur in Portugal und Italien sowie eines auslaufenden Booms in Spanien und Griechenland. So konnte beispielsweise in Spanien 2007 das Bruttoinlandsprodukt noch um 3,7 Prozent zulegen, wird aber in diesem Jahr laut jüngsten Prognosen der EU-Kommission um 2 Prozent sinken.
  2. Vor allem Italien und Griechenland verzeichneten im vergangenen Jahr immens hohe Staatsschulden von 106 Prozent bzw. 94 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Trotzdem müssen die Regierungen Banken und Wirtschaft stützen, was die Budgets weiter in die roten Zahlen treibt.
  3. Schließlich weisen die meisten der betroffenen Länder seit Jahren immens hohe Leistungsbilanzdefizite von um die 10 Prozent und mehr auf – sie leben somit auf Pump vom Ausland. Denn sie importieren wesentlich mehr als sie exportieren, weil ihre eigenen Produkte nicht mehr wettbewerbsfähig genug sind. Der Außenhandel hilft in der Krise daher kaum weiter. Früher wurde eine solche Situation häufig durch eine Währungsabwertung gelöst – diese machte die einheimischen Waren billiger für ausländische Kunden. Seit dem Euro ist so ein Schritt allerdings nicht mehr möglich.

Umso mehr besteht nun die Gefahr, dass sich die öffentliche Meinung angesichts der tiefen Wirtschaftskrise gegen die Europäische Währungsunion wendet und auf einen Austritt drängt. Solche Diskussionen könnten das betreffende Land in eine umso tiefere Finanzkrise stürzen, weil internationale Anleger in Scharen ihr Kapital abziehen würden.

Veranstaltung
Veranstaltung, 23. November 2017

20. Finanzmarkt Round-Table Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – Erlösung oder neuer Schock?Arrow

Während die einen ein schnelles Ende des Niedrigzinses herbeisehnen, befürchten andere einen neuen Schock mit Rückwirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die DekaBank und die Börsen-Zeitung laden ein zum 20. Finanzmarkt Round-Table in Frankfurt am Main. mehr

Markus Demary in LSE Business Review
Gastbeitrag, 20. September 2017

Markus Demary in LSE Business Review The US should not roll back financial regulation Arrow

The Dodd-Frank Act is not perfect, but it's a framework that can mitigate systemic risks, writes Markus Demary, senior economist in the research unit financial and real estate markets at the Cologne Institute for Economic Research (Institut der deutschen Wirtschaft Köln). mehr

IW-Report
IW-Report, 18. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr