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Allen Reformbemühungen in Italien, Spanien und Co. zum Trotz – die Finanzmärkte scheinen schon die Risiken eines Euro-Zusammenbruchs einzupreisen, was die Zinsen der Staatspapiere der Krisenländer nach oben treibt. Damit steigen aber auch die Zinsen für die Privatwirtschaft, und zwar mindestens so hoch wie die für Staatsanleihen. Weil deshalb die Niedrigszinspolitik der EZB in den Krisenländern nicht ankommt, ist der Ankauf von Staatsanleihen mit dem EZB-Mandat vereinbar – wenn die Krisenländer weiterhin an ihren Reformen arbeiten. Deshalb darf die EZB nicht allein agieren, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Rettungsschirm und seinen obligatorischen Reformprogrammen.

Wenn die EZB ein festes Zinsziel etwa für italienische Staatsanleihen vorgibt, legt sie damit gleichzeitig eine Kursuntergrenze fest, zu der sie Staatsanleihen aufkauft. Das würde den Finanzinvestoren gut gefallen. Denn viele von ihnen wollen sich auf Druck ihrer Eigentümer derzeit wohl lieber früher als später von den Staatsanleihen der Krisenländer trennen. Momentan laufen sie bei einem Markt ohne viele Käufer aber Gefahr, dass die Kurse stark sinken, wenn sie ihre Staatsanleihen en gros auf den Markt werfen. Das brächte Verluste, was viele noch davon abhält zu verkaufen.

Die Unsicherheit über das Verlustrisiko sollte ihnen die EZB aber nicht abnehmen. Andernfalls mag es zu einem starken Run aus den Staatanleihen der Krisenländer kommen, der für die EZB sehr teuer werden könnte.

Das wäre auch aus einem weiteren Grund problematisch. Denn weil die EZB bei der Umschuldung in Griechenland zu Recht einen vorrangigen Gläubigerstatus eingeräumt bekommen hat, würden mit immer größeren EZB-Aufkäufen immer mehr Risiken auf die verbleibenden Privatinvestoren verlagert. Die von ihnen geforderten Zinsen würden deshalb steigen und die Kurse sinken. Als Reaktion darauf würde das relativ hohe Kursziel der EZB immer attraktiver und die Verkaufswelle könnte noch größer werden.

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Gastbeitrag, 28. September 2017

Daniel Bendel und Markus Demary auf Focus Online Hebt die EZB die Zinsen an, bekommen 800.000 Unternehmen ProblemeArrow

Mit ihren niedrigen Zinsen hat die EZB vielen Unternehmen geholfen, die Krise zu überwinden - aber nicht allen. Würden die Zinsen steigen, hätten vor allem Firmen aus Italien, Griechenland und Frankreich ein Problem, schreiben die IW-Ökonomen Daniel Bendel und Markus Demary in einem Gastbeitrag auf Focus Online. mehr

Eurozone
IW-Nachricht, 27. September 2017

Markus Mill / Jürgen Matthes Eurozone: Macron will zu vielArrow

Emmanuel Macrons Reformvorschläge für die Eurozone schießen über das Ziel hinaus. Sie sind mit Blick auf den Ausgang der Bundestagswahl unrealistisch und überambitioniert. Die Eurozone braucht zunächst ein gemeinsames Verständnis über die elementaren Kernfragen der Eurozone. mehr

Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hart
Pressemitteilung, 20. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hartArrow

Derzeit liegen die Zinsen im Euroraum auf einem Tiefststand. Sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer expansiven Geldpolitik verabschieden, könnten viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten kommen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr