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Anders als der bisherige Rettungsschirm EFSF hat der in Kürze in Kraft tretende ESM einen bevorrechtigten Gläubigerstatus, auch Seniorität genannt. Im Fall einer Staatsinsolvenz wird der ESM somit – nach dem in der Liste ganz vorn stehenden Internationalen Währungsfonds – vor den übrigen privaten Gläubigern bedient. Damit sollen die Risiken für die Eurogeberländer vermindert werden.

Für diesen Schutz müssen die Geberlänger allerdings einen Preis zahlen: Je mehr Kredite der ESM im Fall der Fälle vergibt, desto höher wird die Ausfallwahrscheinlichkeit für die Forderungen der Privatgläubiger. Die Folge wären höhere Risikoprämien und Zinsen. Bei Spanien hat das jüngst möglicherweise dazu geführt, dass nach der Ankündigung des Bankenrettungspakets durch den ESM die Zinsen stiegen und nicht wie erhofft sanken.

Doch darf das Problem nicht überdramatisiert werden, wie folgende Rechnung zeigt: Bei geschätzten spanischen Staatsschulden von 860 Milliarden Euro im Jahr 2012 machen zusätzliche 100 Milliarden Euro an ESM-Kredit lediglich rund 10 Prozent der neuen Gesamtschuld aus. Im unwahrscheinlichen Fall eines Schuldenschnitts von beispielsweise 30 Prozent auf alle Schulden würden die Privatgläubiger demnach durch die Seniorität des ESM lediglich einen etwas höheren Verlust von rund 33 Prozent hinnehmen müssen.

Die Seniorität sollte deshalb degressiv gestaltet werden. ESM-Kredite bis zur Grenze von 10 Prozent der Gesamtschulden wären demnach eindeutig bevorrechtigt, darüber hinausgehende ESM-Hilfszahlungen bis zur Grenze von 20 Prozent der Gesamtschulden eines Staates nur zur Hälfte.

Mit diesem Kompromiss blieben die Ausfallrisiken für die Eurogeberländer begrenzt und auch der Finanzmarkt sollte mit einer klar gedeckelten Risikoverschiebung leben können, ohne dass die Zinsen zu sehr ausufern.

Ansprechpartner

IW-Report, 21. Juli 2017

Markus Demary IW Financial Expert Survey – 3. Quartal 2017Arrow

Die Prognostiker von Banken und Versicherungen rechnen mit höheren Zinsen, steigenden Aktienkursen, einer Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und steigenden Ölpreisen. Das zeigt der IW Financial Expert Survey für das 3. Quartal 2017. mehr

An Evaluation of  Sovereign-backed Securities (SBSs)
IW policy paper, 28. Juni 2017

Markus Demary / Jürgen Matthes An Evaluation of Sovereign-backed Securities (SBSs)Arrow

The EU Commission proposes establishing Sovereign-Backed Securities (SBSs) as a class of safe assets for the euro area. SBSs are generated by an issuing agency that would purchase a large diversified portfolio of national sovereign bonds, and finance the purchases by issuing (at least) two types of structured bonds: a risk-free senior SBSs tranche and a risky junior SBSs tranche. mehr

Finanzmarktexperten erwarten stabile Aktienkurse und steigende Zinsen
Gastbeitrag, 22. Mai 2017

Markus Demary auf wallstreet-online.de Finanzmarktexperten erwarten stabile Aktienkurse und steigende Zinsen Arrow

Die Experten von Banken und Versicherungen erwarten, dass die Zinsen im kommenden Quartal weiter steigen. Zugleich rechnen sie mit einem höheren Ölpreis und einem schwächeren Euro. Das geht aus dem ersten IW Financial Expert Survey des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hervor. Er führt den früheren Prognosetest des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fort. mehr