Erwerbssituation von Männern und Frauen Image
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Die Studie stellt nämlich klar, dass es sich bei der geschlechterspezifischen Lohnlücke von 22 Prozent um einen unbereinigten Vergleich durchschnittlicher Bruttostundenlöhne von Männern und Frauen handelt. Sie berücksichtigt also nicht, dass sich die Gehaltsdifferenz maßgeblich durch strukturelle Unterschiede wie der Berufswahl oder der Arbeitszeitpräferenzen erklärt. Also zum Beispiel dadurch, dass mehr Männer technische Berufe ausüben, in denen man besser verdient, und Frauen häufiger in Teilzeit beschäftigt sind. Weitere Einflussfaktoren auf das Gehalt, wie die Dauer von Erwerbsunterbrechungen etwa rund um die Geburt eines Kindes, schlüsselt das Statistische Bundesamt außerdem nicht weiter auf.

Vorsicht bei der Beurteilung der Studienergebnisse ist zudem geboten, wenn beispielsweise einige Medien schlussfolgern, dass die Erwerbssituation für Frauen in anderen europäischen Ländern besser ist, weil die Lohnlücken dort geringer sind. Eine geringe geschlechterspezifische Lohnlücke von rund 7 Prozent wird beispielsweise für Italien ausgewiesen. Doch sie erklärt sich schlichtweg dadurch, dass dort vor allem gering bis mittelqualifizierte Frauen seltener überhaupt einen Job haben.

In Deutschland sieht das anders aus: Gingen 1992 nur 56 Prozent der Frauen einer Erwerbstätigkeit nach, waren es 2012 bereits 68 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Erwerbstätigkeit der Männer mit einer Quote von 77 Prozent (1992) und 78 Prozent (2012) nahezu konstant geblieben.

Frauen sind in Deutschland damit so häufig erwerbstätig wie nie zuvor. Politische Interventionen sind also nicht nötig – es sei denn, man will Frauen dazu zwingen, Vollzeit und nahezu ausschließlich in hochbezahlten technischen Berufen zu arbeiten. Denn anders wird man die unbereinigte Lohnlücke nicht deutlich reduzieren können.

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