Energiemarkt Image
Quelle: Fotolia

Die jüngsten Zahlen zum Strommarkt machen zumindest auf den ersten Blick stutzig. Denn nach dem beschleunigten Atomausstieg vor zwei Jahren war damit gerechnet worden, dass mehr Strom importiert als exportiert werden muss. Doch die abgeschalteten Kernkraftwerke sind vor allem durch dreierlei kompensiert worden: Der Stromverbrauch sank, Braunkohlekraftwerke haben so viel Strom erzeugt wie seit 20 Jahren nicht mehr und die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist auf Rekordniveau gestiegen. Der Stromimport hat sich indes – nach einem zwischenzeitlichen Anstieg – kaum verändert.

Für den Anstieg des Stromexportüberschusses spielen die erneuerbaren Energien eine wesentliche Rolle: Wenn hierzulande mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, wird versucht, ihn ins Ausland zu verkaufen. Dies kommt immer dann vor, wenn gleichzeitig alle Solaranlagen Strom liefern und sich ein großer Teil der Windräder dreht. In anderen Phasen kommt hingegen kaum Strom von Sonne und Wind. Wenn Deutschland über das Jahr hinweg mehr Strom ausführt, als es von den Nachbarn bezieht, ist das deshalb noch lange kein Zeichen für eine sichere Stromversorgung.

Auch ökonomisch ist der Exportüberschuss kein Indiz für Erfolg: Manchmal ist es wirtschaftlicher, den Strom zu verschenken oder sogar noch etwas draufzuzahlen, als bestimmte Anlagen abzuschalten. Strom in Deutschland zu subventionieren, um ihn dann zu verschenken, kann aber kein Geschäftsmodell für die Stromwirtschaft sein.

Und noch etwas anderes darf in Anbetracht des Atomausstiegs nicht vergessen werden: Noch immer ist der größere Teil der nuklearen Stromversorger am Netz. Bis Ende 2022 werden noch einmal rund 100 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr wegfallen, die dauerhaft ausgeglichen werden müssen.

Ansprechpartner

Themen

20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

19. Juni 2017

Sandra Parthie / Thilo Schaefer Auf dem Weg in die EnergieunionArrow

Die EU-Kommission will den europäischen Energiebinnenmarkt voranbringen und hat deshalb ein neues Konzept für den Strommarkt vorgeschlagen. Dazu sollen unter anderem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus- und Staatseingriffe abgebaut werden. Um die Investitionen in weitere Netze und Erzeugungskapazitäten anzuregen, ist zudem ein neuer Zuschnitt der sogenannten Strompreiszonen in der Diskussion – ein Plan, der in Deutschland auf Widerspruch stößt. mehr auf iwd.de