DGB-Rentenreform Image
DGB-Chef Michael Sommer Quelle: Flickr

Statt den Beitragssatz zu senken, sobald die Rentenkasse überläuft, will der Deutsche Gewerkschaftsbund den Beitrag zunächst einfrieren und ab 2014 jedes Jahr um 0,2 Punkte erhöhen. Damit soll zu einen eine „Demografie-Reserve“ von bis zu 6,7 Monatsausgaben angesammelt werden – für die das Umlagesystem keinerlei Mandat hat. Zu anderen sollen auch noch die Erwerbsminderungsrenten aufgestockt, die Reha-Leistungen verbessert und die Rente mit 67 zurückgenommen werden. Schwächelt die Konjunktur, würden die neuen Leistungsversprechen wohl kaum zurückgenommen – die Quittung bekäme der Beitragszahler über noch höhere Beitragssätze.

Wer 2.600 Euro im Monat verdient, soll laut DGB bis 2025 Monat für Monat etwa 2,60 Euro mehr bezahlen. Das klingt nach wenig. Wenn der Beitragssatz aber auf bis zu 19,0 Prozent sinken sollte, hat derselbe Arbeitnehmer in den nächsten Jahren erst einmal bis zu 7,80 Euro pro Monat mehr in der Tasche. Zwischen Haben und Nicht-Haben liegen mithin 10 Euro pro Monat. Dieses Geld wäre besser in einer geförderten Zusatzvorsorge aufgehoben, denn schließlich ist die gesetzliche Rentenversicherung schon seit über einem Jahrzehnt nicht mehr allein verantwortlich für die Sicherung des Lebensstandards im Alter. Angesichts der demografischen Entwicklung die „Rente mit 67“ zurückzuschrauben, ignoriert aber die Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen vollends.

Schließlich macht der DGB die Rechnung ohne Rücksicht auf die Lohnnebenkosten. Bei einem Verzicht auf eine Beitragssatzsenkung müssen die Arbeitgeber allein an die Rentenkasse bis zu 3 Prozent mehr überweisen.

Gastbeitrag, 11. Mai 2017

Susanna Kochskämper auf n.tv.de Der falsche Fokus bei der AltersarmutArrow

Wenn von Armut in Deutschland die Rede ist, geht es oft um Rentner. Dabei hat sich deren Lage in den vergangenen Jahrzehnten verbessert. Die wirklichen Problemgruppen sind ganz andere. Ein Gastbeitrag von Susanna Kochskämper, Wissenschaftlerin im Kompetenzfeld Soziale Sicherungssysteme des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

IW-Analyse, 8. Mai 2017

Susanna Kochskämper / Jochen Pimpertz Die gesetzliche Alterssicherung auf dem PrüfstandArrow

Mit den Rentenreformen Anfang des letzten Jahrzehnts hat der Gesetzgeber der absehbaren Bevölkerungsalterung Rechnung getragen und einen Paradigmenwechsel vollzogen – weg von der Vorstellung einer den Lebensstandard sichernden gesetzlichen Versorgung, hin zu einer Kombination von gesetzlicher Rente und ergänzender Privatvorsorge. Dieser Weg steht nun infrage. mehr

Gewerkschaften: Verankerung ausbauen
IW-Kurzbericht, 27. April 2017

Adam Giza / Hagen Lesch Gewerkschaften: Verankerung ausbauenArrow

Unter dem Motto „Wir sind viele. Wir sind eins.“ ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auch in diesem Jahr wieder dazu auf, am „Tag der Arbeit“ für mehr Gerechtigkeit zu demonstrieren. Die große Öffentlichkeitswirkung dieses Tags verdeckt, dass die Gewerkschaften in der Arbeitnehmerschaft nur noch schwach verankert sind und schwierige strukturelle Probleme lösen müssen. mehr