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Michael Sommer Quelle: DGB/Simone M. Neumann

Nach langem Ringen wird 2015 der gesetzliche Mindestlohn eingeführt und der Kampf gegen die Rente mit 67 hat sich für den DGB allem Anschein nach ebenfalls ausgezahlt – künftig soll es eine abschlagsfreie Rente mit 63 geben. Doch damit hat der Gewerkschaftsbund sein Pulver verschossen, denn die Einzelgewerkschaften beanspruchen andere brisante Themen für sich. Das gilt vor allem für die Zeitarbeit und Werkverträge – hier hat eindeutig die IG Metall die Kampagnenhoheit.

Der DGB wird kaum damit punkten können, wenn er vor allem für mehr Umverteilung eintritt und Konjunkturprogramme fordert. Um wahrgenommen zu werden, wird der Dachverband künftig also mehr Phantasie an den Tag legen müssen. Nicht leichter ist die Aufgabe, die Einzelgewerkschaften bei strittigen Themen wie der Tarifeinheit auf Linie zu bringen. Hier ist ver.di derzeit nämlich strikt gegen eine gesetzliche Regelung, in anderen Organisationen besteht indes durchaus Sympathie für die Idee.

Gemeinsam ist allen DGB-Gewerkschaften allerdings die Herausforderung, die Tarifbindung ohne staatliche Hilfe zu erhöhen: Der Mitgliederschwund ist zwar fast gestoppt. Um die Tarifbindung aus eigener Stärke heraus zu erhöhen, müssten die Gewerkschaften ihre organisatorische Basis aber noch gewaltig ausweiten.

Ansprechpartner

21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Adam Giza Tarifbindung: Jeder Zweite bekommt TarifentgeltArrow

Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr