Die Daten des Mikrozensus zeigen, dass die Niedrigeinkommensquote – also der Anteil der von Armut gefährdeten Menschen – in den letzten zehn Jahren nicht wegen eines Auseinanderdriftens zwischen Arm und Reich in der ansässigen Bevölkerung leicht gestiegen ist. Dies erklärt sich durch die stark gestiegene Anzahl der Zugewanderten und Geflüchteten, deren Integration noch nicht abgeschlossen ist. Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund lag die Niedrigeinkommensquote dagegen zuletzt auf einem ähnlichen Niveau wie vor zehn Jahren – mit sinkender Tendenz. Auch von einem Anstieg der Working Poor kann nicht die Rede sein. Die Niedrigeinkommensquote unter den Erwerbstätigen war im Jahr 2018 gerade einmal um 0,3 Prozentpunkte höher als im Jahr 2008 und ist seit 2011 konstant.

Die positive Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre drückt sich beispielsweise auch in einem Rückgang der Zahl der Hartz-IV-Aufstocker aus, die von 1,3 Millionen im Jahr 2012 auf rund eine Million im Jahr 2019 zurückgegangen ist. Gleichzeitig ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse deutlich angestiegen, sodass insgesamt breite Schichten vom jüngsten Aufschwung profitieren konnten.

Mehr Investition in Bildung und Erwerbsbeteiligung

Kommen immer mehr Menschen in Beschäftigung, hat das auch einen positiven Einfluss auf das mittlere Einkommen und damit auch für den Schwellenwert von Niedrigeinkommen. So ist dieser in den letzten zehn Jahren hierzulande nach den Daten des Mikrozensus preisbereinigt um mehr als 16 Prozent gestiegen. Trends wie die steigende Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften, mehr Single-Haushalte und das Zusammenleben von Personen aus derselben sozialen Schicht bestehen weiterhin fort und wirken tendenziell erhöhend auf die Niedrigeinkommensquote. Um Armut zu bekämpfen, muss die Politik weiter in Bildung und Erwerbsbeteiligung investieren.