Ende März vergangenen Jahres begannen mit dem ersten bundesweiten Lockdown die Probleme für den Einzelhandel in Deutschland: Millionen Arbeitnehmer gingen in Kurzarbeit, Geschäfte mussten schließen und ausbleibende Hilfszahlungen sorgten für reichlich Pessimismus. Als Folge blieben in vielen Branchen Umsätze in Milliardenhöhe aus. Wie groß die Auswirkungen wirklich sind, zeigen neue Berechnungen des IW auf Grundlage von Umsatzzahlen ohne Umsatzsteuer des Statistischen Bundesamtes für das Gesamtjahr 2020. Der Einzelhandel konnte im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 5,4 Prozent verzeichnen und somit rund 1,5 Prozentpunkte mehr als noch 2019 – das sind über 32 Milliarden Euro zusätzlich. 

Baumärkte profitieren besonders

Mit einem Plus von 19 Milliarden Euro ist der Versand- und Internet-Einzelhandel ein naheliegender Profiteur: Während die Umsätze im Jahr 2019 um knapp neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr stiegen, waren es im vergangenen Jahr 25 Prozent. Wo nicht im Geschäft eingekauft werden kann, wird auf das Internet ausgewichen. 

Wenn man das eigene Zuhause nicht verlassen kann, dann sollte es wenigstens schön sein. Diesen Zusammenhang bilden auch die Zahlen ab: Mit drei Milliarden Euro und somit einem um 14,6 Prozent höherem Umsatz im Vergleich zu 2019 profitiert auch der Einzelhandel mit Anstrichmitteln, Bau- und Handwerkerbedarf, wozu unter anderem Baumärkte gehören. Aber auch Händler für Fahrräder, Sportbedarf und Campingausstattung konnten einen Umsatzzuwachs von 14,4 Prozent 2020 im Vergleich zu 10,4 Prozent 2019 gutmachen. In absoluten Zahlen sind das rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich.

Bekleidungsgeschäfte verlieren 

Ganz anders sieht es bei Einzelhandelsgeschäften für Bekleidung aus: Verzeichneten sie 2019 noch ein Plus von 0,8 Prozent, verloren sie im Corona-Jahr 25 Prozent des Umsatzes oder neun Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Ähnlich ist die Situation für Schuhgeschäfte – sie verloren 1,8 Milliarden Euro. Aus einem Umsatzplus von rund zwei Prozent im Jahr 2019 wurde vergangenes Jahr ein Minus von knapp über 22 Prozent. Auch die negativen Auswirkungen der begrenzten Reisemöglichkeiten zeigt sich in den Einzelhandelsumsätzen. So verzeichnete der Einzelhandel mit Lederwaren und Reisegebäck einen Rückgang von fast 17 Prozent, was fast 200 Millionen Euro an fehlendem Umsatz entspricht.