Brexit Image
Die EU-Vertreter müssen jetzt sicherstellen, dass der Brexit kein Präzedenzfall für andere EU-Staaten wird. Foto: mikie11/iStock

Momentan verlieren nationalstaatliche Grenzen ökonomisch an Bedeutung und Wertschöpfungsketten vernetzen sich global. Der Austritt aus der Europäischen Union ist somit ein Auflehnen der Briten gegen die Megatrends Globalisierung und Digitalisierung. Andererseits schwächt der Verlust wirtschaftlicher und politischer Diversität durch den Austritt Großbritanniens die Europäische Union in ihrem Ziel, die sich digitalisierende Weltwirtschaft mitzuprägen.

Mit der Rückkehr zur isolierten nationalstaatlichen Koexistenz verspielen die Länder nicht nur das politische Kapital Europas, sondern auch grundlegende wirtschaftliche Potenziale für die Zukunft. Es liegt nun an den EU-Vertretern sicherzustellen, dass der Brexit kein Präzedenzfall für andere EU-Staaten wird. Sprich: Die Zeit des Rosinenpickens für alle Nörgler und Abweichler ist vorbei, jetzt muss die EU harte Kante zeigen. Für die zukünftige institutionelle Ausgestaltung der EU ist spätestens jetzt aber auch klar: Eine „ever-closer-union“ ist kein Weg, den alle mitgehen. Wichtig ist vor allem, dass die Politiker in den Mitgliedsstaaten aufhören, die EU für ihre eigenen Fehler verantwortlich zu machen. Europas Glaubwürdigkeit steht und fällt mit dem jeweiligen Rückhalt vor Ort.

Doch selbst wenn der Brexit die Staatengemeinschaft hart trifft, werden die akuten wirtschaftlichen Folgen überschaubar sein: Es ist nicht mit einem erneuten Losbrechen der Eurokrise zu rechnen. Die Reformen der Krisenstaaten sind weit genug fortgeschritten, das Finanzsystem hat Risikopuffer aufgebaut und der Austritt kommt letztlich ohne Überraschungsmoment daher. Eine Aufwertung des Euro gegenüber dem britischen Pfund verschlechtert zwar die europäische Wettbewerbsfähigkeit. Das geschieht allerdings in einem Maße, das die Wirtschaft kompensieren kann.

Ansprechpartner

Michael Hüther im Deutschlandfunk
Interview, 29. März 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk „Die Briten sind in dieser Situation schlechter gestellt”Arrow

Nach dem Brexit-Beschluss Großbritanniens müsse es jetzt darum gehen, die Interessen der Gemeinschaft in den Fokus zu rücken, sagte IW-Direktor Michael Hüther im Interview mit dem Deutschlandfunk. Ein Staat, der sich aus der Integration herausnehme, dürfe anschließend nicht von möglichen Sonderregelungen profitieren. mehr

24. März 2017

Interview „Der Braindrain ist das größte Problem“Arrow

Am Sonntag wählt Bulgarien, das ärmste EU-Mitgliedsland, ein neues Parlament. Galina Kolev, IW-Expertin im Kompetenzfeld Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur, wurde in der bulgarischen Hauptstadt Sofia geboren. Mit dem iwd sprach Sie über die Probleme und Chancen ihres Heimatlands. mehr auf iwd.de