Bildungspolitik Image
Quelle: ehrenberg-bilder Fotolia

Der Rat schlägt unter anderem vor, dass all jene, die eine Lehre abgeschlossen haben, künftig ohne zusätzliche Berufserfahrung und ohne Beschränkung studieren dürfen. Eine Lehre würde damit der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Zudem fordert der Wissenschaftsrat, dass es flexiblere Wechselmöglichkeiten zwischen beiden Bildungsbereichen geben soll. Dafür sollen Studienleistungen leichter auf einen beruflichen Abschluss und umgekehrt berufliche Qualifikationen besser auf ein Studium angerechnet werden können. Zudem sollen nach dem Willen des Rates mehr Bildungsangebote berufliche und akademische Inhalte kombinieren.

Diese Vorschläge tragen den Realitäten im Bildungssystem Rechnung. Denn nach dem Schulabschluss finden Absolventen häufig nicht auf Anhieb den Bildungsbereich, der am besten zu ihnen passt: Jeder vierte Studienanfänger bricht momentan sein Studium ab. Jeder dritte Abbrecher beginnt dann eine Lehre. Im Gegenzug hat heute jeder fünfte Student zuvor eine Lehre abgeschlossen und von den Lehrabsolventen ohne Hochschulreife zieht es mittlerweile jährlich rund 12.500 an die Hochschulen. Tendenz steigend.

Deshalb macht es auch Sinn, dass der Wissenschaftsrat Entscheidungstrainings, Potenzialanalysen und zusätzliche Praktika in die Lehrpläne der Schulen integrierten will. Denn das könnte dazu beitragen, dass viel stärker Fähigkeiten und Neigungen und nicht vorrangig Imageaspekte die Bildungsentscheidungen bestimmen.

Insgesamt hat der Wissenschaftsrat mit seinen Empfehlungen einen historischen Schritt getan, um das bewährte deutsche Berufsbildungssystem aufzuwerten. Gleichzeitig hat er ein klares Signal für eine gezielte Kombination von theoretischen und praktischen Kompetenzprofilen gegeben.

Die Hochschulen müssen die Rahmenbedingungen für eine entsprechende Durchlässigkeit zügig gestalten, indem sie beispielsweise zusammen mit Institutionen der Berufsbildung pauschale Verfahren zur gegenseitigen Anerkennung von beruflichen und akademischen Qualifikationen entwickeln und Bewerber aus dem Berufsbildungssystem mit Zusatzkursen unterstützen. Dazu sind zusätzliche Mittel notwendig. Die sollten allerdings, wie es der Wissenschaftsrat empfiehlt, an entsprechende Leistungsvereinbarungen geknüpft werden.

Ansprechpartner

12. Juni 2017

Christiane Konegen-Grenier Erasmus: Ein Ticket für neun Millionen Menschen Arrow

Das europäische Erasmus-Programm, das in diesem Juni seinen 30. Geburtstag feiert, hat zunächst nur Studenten finanziell unterstützt, die ein Auslandssemester absolvieren wollten. Mittlerweile fördert das zu Erasmus+ umgetaufte Projekt nicht nur einen deutlich größeren Personenkreis, sondern umfasst auch sämtliche Bildungsbereiche. Allein 2015 investierte Brüssel dafür mehr als 2,1 Milliarden Euro. mehr auf iwd.de

Veranstaltung, 11. Mai 2017

62. Bildungspolitisches Treffen Lernen und Arbeiten in der digitalen WeltArrow

Am 11. und 12. Mai 2017 fand das traditionelle Bildungspolitische Treffen im IW Köln mit großer Beteiligung statt. Ziel war es, gemeinsam mit den Teilnehmern auszuloten, welche Anforderungen und Chancen sich aus der Digitalisierung für das berufliche und betriebliche Lernen ergeben. mehr

IW-Kurzbericht, 5. Mai 2017

Wido Geis Qualifizierung ist der Schlüssel zur erfolgreichen IntegrationArrow

Ein großer Teil der in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen Flüchtlinge ist inzwischen am deutschen Arbeitsmarkt angekommen. Jetzt stellt sich die Herausforderung, diese Personen zu integrieren. Dabei spielt die Qualifizierung eine zentrale Rolle. mehr