Studieren als Berufsvorbereitung Image
Auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen: Die Vorbereitung auf den Beruf ist eine zentrale Aufgabe der Hochschulen in Deutschland. Foto: WavebreakmediaMicro/Fotolia

Diese Verantwortung loswerden zu wollen, ist ein Gedanke, der nicht zukunftsfähig ist. Der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, liegt daher richtig, wenn er in seiner Empfehlung zu Hochschulbildung und Arbeitsmarkt klarstellt: Im Hochschulstudium geht es nicht nur um die wissenschaftliche Ausbildung, sondern auch um die künftige Anwendung des Gelernten im Beruf.

Geht es nach dem Wissenschaftsrat, soll das sogar festgeschrieben werden: In so genannten Lehrverfassungen und Lehrprofilen könnte künftig jeder einsehen, was in einem Studium im Hinblick auf die wissenschaftliche Ausbildung, die Persönlichkeitsentwicklung und die Arbeitsmarktvorbereitung erreicht werden soll.

In den Vorlesungen und Seminaren soll gezeigt werden, welche arbeitsmarktrelevanten Kompetenzen entwickelt werden können. In Projekt- und Abschlussarbeiten gilt es, mehr Praxisbezüge herzustellen. Zudem bieten gerade diese Arbeiten eine Chance, mit Vertretern aus der Praxis zusammenzuarbeiten. Das sind auch aus Sicht des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sinnvolle Vorschläge für eine bessere Berufsvorbereitung.

Vor allem beim Thema Studienabbruch sehen Wissenschaftsrat und IW Köln noch einiges im Argen: 28 Prozent der Studenten beenden ihr Studium momentan nicht. Um dem entgegenzuwirken, wären bessere Beratungsangebote schon vor Studienbeginn und kleinere Lerngruppen im Studium erforderlich. Gewiss: Das kostet Geld. Doch das sollte die Politik nicht einfach so bedingungslos bereitstellen. Stattdessen wäre es sinnvoll, wenn die Mittel aus dem Hochschulpakt nur dann vollständig fließen, wenn ein Student sein Studium erfolgreich abgeschlossen hat – so wie es bereits in Nordrhein-Westfalen künftig der Fall sein wird.

Noch mehr Anreize und mehr Mittel für die Lehre könnte es durch Studiengebühren geben. Offensichtlich ist dieses Thema bei den Bundes- und Landesministern, die in der Vollversammlung des Wissenschaftsrates über die Empfehlungen mit abstimmen, aber nicht durchsetzbar. Das Nachsehen haben dadurch die Hochschulen, denen zusätzliche Mittel für bessere Lern- und Lehrbedingungen entgehen.

Ansprechpartner

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Paula Risius / Lydia Malin / Regina Flake Ausbildung oder Studium? Arrow

Unternehmen können immer mehr Ausbildungsstellen nicht besetzen. Dies birgt die Gefahr, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen mittelfristig ihre Ausbildungsaktivitäten zurückfahren, was gravierende Auswirkungen auf die Fachkräftesituation auf dem Arbeitsmarkt hätte. mehr

IW-Trends, 26. Oktober 2017

Regina Flake / Lydia Malin / Paula Risius Bildungsentscheidung von Abiturienten für Ausbildung oder StudiumArrow

Der Anteil der Abiturienten unter den Schulabgängern steigt seit vielen Jahren an. Inzwischen erwirbt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs die Hochschulzugangsberechtigung und die Anzahl der Studienanfänger hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Gleichzeitig brechen 29 Prozent ihr Studium vorzeitig ab. Das zeigt, dass die Entscheidung für ein Studium nicht für alle Studienanfänger optimal ist. mehr

IW-DREF-Studentenwohnpreisindex
Gutachten, 2. Oktober 2017

Philipp Deschermeier / Björn Seipelt / Michael Voigtländer StudentenwohnpreisindexArrow

Die stetige Zunahme der Studentenzahlen sowie der Zuzug anderer Bevölkerungsgruppen aus dem In- und Ausland haben zu einer deutlichen Verschärfung der Situation am Wohnungsmarkt geführt. Die Folge sind teils rasant steigende Wohnkostenbelastungen, wie der neue Studentenwohnpreisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und der Deutschen Real Estate Funds in Kooperation mit ImmobilienScout24 zeigt. mehr