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Wenn Banken Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben oder Unternehmensanleihen erwerben, dann müssen sie diese Engagements zu einem festgelegten Prozentsatz mit eigenem Geld finanzieren. Die zugrunde liegende Regel ist simpel: Je höher das Ausfallrisiko der Engagements, desto mehr Eigenkapital müssen die Institute aufwenden. Zudem gilt eine Großkreditbeschränkung – Banken dürfen einem einzelnen Schuldner nicht mehr Geld leihen als ein Viertel ihres Eigenkapitals. Damit soll verhindert werden, dass der Ausfall eines einzelnen Schuldners ein Institut in Schieflage bringt.

Wenn Banken jedoch Anleihen der Euroländer erwerben, benötigen sie hierfür kein eigenes Geld, denn die Finanzmarktregulierung betrachtet diese Investitionen bislang als risikolos. Eine gefährliche Annahme. Denn während der Staatsschuldenkrise im Euroraum kamen Banken in Schieflage, weil ihnen das Eigenkapital fehlte, um Verluste aus den Staatspapieren aufzufangen. Zudem zeigte sich, dass sich die Banken zu stark in einzelnen Ländern, wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien, engagiert hatten. Eine Großkreditbeschränkung wie die gegenüber Unternehmen hätte die Verluste der Banken begrenzen helfen.

Die Eigenkapitalunterlegung für Staatsanleihen hat in jüngster Vergangenheit weiter an Relevanz gewonnen: Während die Unternehmenskredite in den Bankbilanzen in den vergangenen beiden Jahren um 4 Prozent pro Jahr fielen, stiegen die Bestände an Staatsanleihen um über 8 Prozent pro Jahr.

Problematisch ist in diesem Kontext außerdem, dass das Geld, das an Staaten fließt, den Unternehmen an Krediten fehlt. Besonders in den Krisenländern der Eurozone stellt die restriktive Kreditvergabe der Banken die kleinen und mittelständischen Unternehmen momentan vor Herausforderungen.

Die Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen ist bei den europäischen Regierungen allerdings unbeliebt – aus verständlichen Gründen. Denn der bisherige Regulierungsrahmen schafft eine hohe Nachfrage nach Staatspapieren und ermöglicht den Staaten so, sich günstig bei Banken zu verschulden.

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