Grundsätzlich folgt der Ölpreis einem langfristigen Trend nach oben: Weltweit steigt der Verbrauch, insbesondere in China nimmt der Öldurst weiterhin zu. Gleichzeitig kann aber das Angebot nicht schnell genug ausgeweitet werden – und wenn, dann nur mit erheblichem Kostenaufwand: Zusätzliche Ölquellen befinden sich meist tief unter dem Meer – und können nur mit großem Aufwand erschlossen werden.

Die aktuellen Preisausschläge hingegen sind eine Folge der politischen Auseinandersetzungen in Nordafrika. Libyen ist für Deutschland ein wichtiger Öllieferant. Knapp 8 Prozent unseres Öls kommt aus der Volksrepublik, der Wert der lybischen Ölimporte summierte sich allein im vergangenen Jahr auf mehr als 3,2 Milliarden Euro.

Die augenblicklichen Ausfälle können jedoch gut durch andere Lieferländer ausgeglichen werden. Schon heute bezieht Deutschland 60 Prozent seines Öls aus Russland, England und Norwegen – Staaten, die als sicher und stabil gelten. Kritisch könnte es hingegen werden, wenn weitere Staaten des Mittleren Ostens als Lieferanten ausfallen: Aus Syrien stammen 3 Prozent der deutschen Öleinfuhren, 1,6 Prozent kommen aus dem Iran und 0,8 Prozent aus Saudi-Arabien. Sollte beispielsweise Saudi-Arabien als weltgrößter Ölförderer für einen längeren Zeitraum nicht liefern, hätte das für die internationalen Ölpreise und damit auch für die deutsche Wirtschaft unabsehbare Folgen.