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Nun beklagen die Gewerkschaften, tatsächlich  wären die deutschen Wochenarbeitszeiten – einschließlich Überstunden - so lang wie kaum sonstwo in Europa. Das müsse sich ändern. Die Arbeitszeitdebatte kommt indes zur Unzeit, zumal die Daten den Stand des Jahres 2008 widerspiegeln. Heute wären Kurzarbeiter froh, wenn sie länger arbeiten dürften; und auch ehemaligen Überstündlern wäre es lieber, wenn sie wieder etwas mehr Geld in der Tasche hätten.

Dass im Übrigen die tatsächlichen Arbeitszeiten von den tariflichen abweichen, ist nicht neu. Auf dem Papier standen im dritten Quartal 2008 im Schnitt 37,6 Stunden Arbeit pro Woche, tatsächlich waren es 3,6 Stunden mehr. Durch die Wirtschaftskrise dürfte sich das Bild in diesem Jahr drastisch wandeln. Weniger Überstunden und mehr Kurzarbeit werden die tatsächlich geleistete Arbeitszeit drücken. Die IG Metall will dies zum Anlass nehmen, im Herbst eine neue Arbeitszeitdebatte anzustoßen. Weniger Auslastung bedeute, dass die Arbeit neu umverteilt werden müsse.

Angesichts des Mangels an Fachkräften, der sich - demografisch bedingt – in den nächsten Jahren verstärken wird, überrascht dieser Ansatz. Aufgrund der unterschiedlichen Qualifikationen und Anforderungen lässt sich Arbeit in vielen Fällen nicht einfach umverteilen. Wenn die Bänder langsamer laufen, können Bandarbeiter nicht mal eben in die Entwicklungsabteilung wechseln.

Außerdem ruht in Deutschland aufgrund der vielen Freizeit die Arbeit sowieso schon auf mehr Schultern: Denn nur in Schweden gibt es mehr Urlaubstage als hierzulande. Die Unternehmen müssen also mehr Personal vorhalten, damit genügend Reserven für die Urlaubsvertretung da sind.

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