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Es gibt zwei Gruppen von Arbeitslosen, die trotz Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung auf Arbeitslosengeld II zurückgreifen müssen: Zum einen Arbeitslose, die zwar Arbeitslosengeld erhalten – das aber nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das kann passieren, wenn der Arbeitslose zum Beispiel wegen einer Teilzeitbeschäftigung zuvor nur ein geringes Einkommen hatte oder eine große Familie zu versorgen hat. Die Zahl dieser Personen hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Im November 2011 waren noch 75.000 Empfänger von Arbeitslosengeld zusätzlich auf ergänzendes Arbeitslosengeld II angewiesen – rund 10 Prozent der Empfänger insgesamt. Zum anderen haben Arbeitslose keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie nicht die erforderliche Vorbeschäftigungsdauer von 12 Monaten innerhalb einer Rahmenfrist von 24 Monaten erreichen. Insbesondere prekär Beschäftigte seien hiervon betroffen, heißt es.

Die Opposition will deswegen die Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld herabsetzen. Dies könnte aber ein gefährliches Missverhältnis von Beiträgen und Leistungen zur Folge haben: Wer einige Monate arbeitet und anschließend die Hälfte der Beitragsmonate Arbeitslosengeld erhält, der kassiert siebenmal so viel Leistungen, wie er Beiträge gezahlt hat. Mit der Anwartschaftszeit von 12 Monaten versucht die Versichertengemeinschaft, sich vor solchen überzogenen Leistungsniveaus zu schützen. Den Betroffenen wäre ohnehin eher dadurch geholfen, wenn nach Eintritt der Arbeitslosigkeit schnell ein neuer Job gefunden werden kann.

Ansprechpartner

Reform der Arbeitslosenversicherung – Eine Bewertung aktueller Reformvorschläge
IW policy paper, 7. November 2017

Holger Schäfer Reform der ArbeitslosenversicherungArrow

Dank hoher Beschäftigungszahlen steht die Arbeitslosenversicherung finanziell gut da. Nun werden Forderungen laut, die Leistungen auszuweiten. Doch die vorgeschlagenen Reformen würden die ökonomischen Funktionen der Arbeitslosenversicherung weder stärken noch effizienter gestalten, sie könnten sich sogar negativ auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt auswirken. mehr

Pro und Contra Agenda 2010
Gastbeitrag, 7. September 2017

Michael Hüther und Gustav Horn auf chemie-arbeitgeber.de Pro und Contra Agenda 2010Arrow

Die Parteien diskutieren über Sinn und Nutzen der Arbeitsmarktreformen unter Gerhard Schröder. Die Chemie-Arbeitgeber haben IW-Direktor Michael Hüther und Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, um ihre Meinung zur folgenden Frage gebeten: Hat die Agenda 2010 die deutsche Wirtschaft besser und wettbewerbsfähiger gemacht? mehr

7. April 2017

Arbeitsmarkt Die Reform des Arbeitslosengelds hat sich bewährtArrow

SPD-Politiker plädieren dafür, das Arbeitslosengeld I unter bestimmten Voraussetzungen länger als bisher zu gewähren. Dabei hat die Kürzung der maximalen Bezugsdauer im Zuge der Hartz-Reformen dazu beigetragen, die Beschäftigungssituation Älterer zu verbessern. Die Argumente für die restriktivere Regelung gelten nach wie vor. mehr auf iwd.de