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Die Forderung des DGB übersieht jedoch, dass es sich nicht zuletzt um das Resultat eines arbeitsmarktpolitischen Erfolges handelt. Denn in den vergangenen Jahren ist es zunehmend gelungen, Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Jobs zu bringen. Oft handelte es sich um Personen mit geringen Qualifikationen, die eine einfache Arbeit aufnahmen. Solche Beschäftigungsverhältnisse sind aber auch häufig weniger stabil oder von vorneherein zeitlich begrenzt – etwa Aushilfstätigkeiten in der Gastronomie im Sommer oder beim Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel. Mitunter dauert die Beschäftigung nicht die 12 Monate, die erforderlich sind, um einen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu begründen.

Um den Betreffenden zu helfen, wäre es erforderlich, sie in stabile Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln – etwa durch Qualifizierung. Der vom DGB vorgeschlagene erleichterte Anspruch auf Arbeitslosengeld trägt nichts zur Lösung des Problems bei. Im Gegenteil, es entsteht ein Anreiz, kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse mit anschließendem Arbeitslosengeldbezug zu kombinieren.

Das ist für die Betroffenen kein schlechtes Geschäft: Wer mit 2.000 Euro Bruttomonatseinkommen – wie vom DGB vorgeschlagen – 6 Monate beitragspflichtig arbeitet und anschließend 3 Monate Arbeitslosengeld bezieht, der hat 360 Euro Beiträge gezahlt, aber über 2.400 Euro Leistungen bezogen.

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Pro und Contra Agenda 2010
Gastbeitrag, 7. September 2017

Michael Hüther und Gustav Horn auf chemie-arbeitgeber.de Pro und Contra Agenda 2010Arrow

Die Parteien diskutieren über Sinn und Nutzen der Arbeitsmarktreformen unter Gerhard Schröder. Die Chemie-Arbeitgeber haben IW-Direktor Michael Hüther und Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, um ihre Meinung zur folgenden Frage gebeten: Hat die Agenda 2010 die deutsche Wirtschaft besser und wettbewerbsfähiger gemacht? mehr

7. April 2017

Arbeitsmarkt Die Reform des Arbeitslosengelds hat sich bewährtArrow

SPD-Politiker plädieren dafür, das Arbeitslosengeld I unter bestimmten Voraussetzungen länger als bisher zu gewähren. Dabei hat die Kürzung der maximalen Bezugsdauer im Zuge der Hartz-Reformen dazu beigetragen, die Beschäftigungssituation Älterer zu verbessern. Die Argumente für die restriktivere Regelung gelten nach wie vor. mehr auf iwd.de

Schulz setzt auf Emotionen statt Fakten
Gastbeitrag, 5. April 2017

Michael Hüther auf Tagesspiegel Causa Schulz setzt auf Emotionen statt Fakten Arrow

Kanzlerkandidat Schulz will die Fehler der Agenda 2010 korrigieren. Die Legitimation hierfür zieht er aus einem Einzelschicksal und nicht aus handfesten Beweisen. Mit solchen Vorgehen verlässt Politik trittsicher den Boden der Fakten, schreibt Michael Hüther in einem Debattenbeitrag auf causa.tagesspiegel.de. mehr