Arbeitslose ohne Leistungsansprüche Image
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Die Betreuung der Arbeitslosen in Deutschland ist zweigeteilt: Für die rund 700.000 Arbeitslosen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld ist die Arbeitsagentur zuständig, für die knapp 2 Millionen Arbeitslosen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 ist es das Job-Center. 235.000 Arbeitslose erhalten weder die eine noch die andere Leistung. Sie fallen in die Zuständigkeit der Arbeitsagenturen, selbst wenn sie zuvor ALG 2 bezogen hatten.

So wird zum Beispiel ein arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger, dessen Lebenspartner eine auskömmliche Beschäftigung gefunden hat, zu einem Nichtleistungsempfänger, der – sofern er Arbeit sucht und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht – weiterhin als Arbeitsloser in der Statistik steht.

Auch als arbeitslos geführt werden Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld ausgelaufen ist, die aber keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 haben, zum Beispiel, weil der Partner zu viel verdient. Dies dürfte ein typischer Fall unter den Nichtleistungsbeziehern sein, denn ein Drittel von ihnen ist langzeitarbeitslos, zwei Drittel haben maximal die mittlere Reife und ein Viertel hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Fraglich ist in diesen Fällen, ob die alleinige Zuständigkeit der Arbeitsagenturen für diese Personengruppe sachgerecht ist. Denn oft reichen die klassischen Instrumente der Arbeitsmarktpolitik nicht aus. Benötigt werden auch psychosoziale Hilfen, die von den Kommunen bereitgehalten werden müssten.

Eine weitere Gruppe der Nichtleistungsbezieher sind Studierende, die sich nach ihrem Abschluss arbeitslos melden, aber noch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld erwerben konnten. Jeder sechste Nichtleistungsbezieher verfügt über einen akademischen Abschluss, unter den Leistungsbeziehern ist es nur jeder neunte. Für diese Personen ist die Arbeitslosigkeit meist nur eine vorübergehende Angelegenheit – die Arbeitslosenquote der Akademiker liegt bei rund 2 Prozent. Ein Förderbedarf ist für diese Gruppe meist nicht gegeben.

Ansprechpartner

15. März 2017

Interview „Es wäre unfassbar schädlich“Arrow

Als Regierungschef formulierte Gerhard Schröder 2003 die Agenda 2010. Heute wollen die Sozialdemokraten Teile der Reform am liebsten rückgängig machen. IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer erklärt im iwd-Interview, warum damit keinem geholfen wäre. mehr auf iwd.de

14. März 2017

Arbeitsmarkt Die Agenda 2010 – ein Reformpaket im FokusArrow

Heute werden die Reformen, die die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder ab 2003 umsetzte, oft auf „Hartz IV“ reduziert – tatsächlich aber besteht die Agenda 2010 aus einem umfangreichen Reformpaket. Neben den Neuerungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Rentenversicherung – von denen das IW Köln die wichtigsten auflistet und bewertet – gab es noch zahlreiche Reformen in der Gesundheits- und der Finanzpolitik. mehr auf iwd.de

Interview, 13. März 2017

Holger Schäfer auf mdr.de „Fehlanreize verfestigen Arbeitslosigkeit”Arrow

Die SPD will mehr Arbeitslosen länger ALG I zahlen. Zugleich plant sie einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung. Für ALG-II-Empfänger soll das Schonvermögen verdoppelt werden. Der Wirtschaftswissenschaftler Holger Schäfer von Institut der deutschen Wirtschaft Köln sieht die Pläne kritisch. Er warnt, Alimentierung verfestige Arbeitslosigkeit. Außerdem rechnet er mit höheren Kosten als von der SPD veranschlagt. mehr