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Dieses Jahr geht es bei den Tarifkonflikten hart zur Sache. Quelle: master1305 – Fotolia

Wenn Lotsen, Piloten oder Lokführer streiken, sind viele betroffen, aber die Arbeitskampfstatistik lässt das ziemlich kalt. Erst wenn große Organisationen zum Ausstand aufrufen, hinterlässt das Streikgeschehen seine Spuren in der Statistik – so auch in diesem Jahr: Da kamen zu den Dauerstreiks bei Bahn und Lufthansa bereits zu Jahresbeginn massive Warnstreiks in der Metall- und Elektro-Industrie - die IG Metall rief nach eigenen Angaben im Januar und Februar mehr als 870.000 Arbeitnehmer zur Teilnahme auf. Zuletzt folgten die unbefristeten Arbeitskämpfe bei den Kitas und aktuell bei der Deutschen Post. Dort befanden sich zuletzt fast 18.000 Beschäftigte im Ausstand. In Deutschland wird derzeit also nicht nur besonders viel gestreikt, sondern es fallen auch viele Arbeitstage aus.

Der Blick auf die verschiedenen Eskalationsstufen von Tarifauseinandersetzungen unterstreicht, dass es in diesem Jahr ungewöhnlich ruppig zugeht (Tabelle): Ohne Eskalation brachte bisher allein der Marburger Bund seine Tarifverhandlungen über die Bühne. Dass Verdi bei der Deutschen Lufthansa nach drei Verhandlungsrunden noch ruhig bleibt, dürfte indes vor allem mit den diversen Großbaustellen der Gewerkschaft zusammenhängen. Denn nachdem sich die Gewerkschaft bei Amazon und bei den Kitas festgefahren hat, will sie jetzt den hohen Organisationsgrad bei der Deutschen Post nutzen, um erfolgreich zu sein.

Ungemach könnte zudem bald wieder in anderen Branchen drohen: Derzeit befinden sich vier Konflikte in der Schlichtung. Aber nur wenn diese allesamt erfolgreich verlaufen, wird sich das Streikgeschehen im zweiten Halbjahr beruhigen.

Laufende und abgeschlossene Tarifkonflikte 2015

Maximale Eskalationsstufe: 0=Tarifverhandlung; 1=Streikdrohung; 2=Abbruch der Verhandlungen; 3=Streikaufruf; 4=Warnstreik; 5=Scheitern und Schlichtung/juristische Auseinandersetzung; 6=Scheitern und Urabstimmung/Scheitern und Streik, 7=Arbeitskampf; Stand 12. Juni 2015; Quelle: IW-Tarifdatenbank

Ansprechpartner

21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Adam Giza Tarifbindung: Jeder Zweite bekommt TarifentgeltArrow

Zur Schätzung des Anteils tarifgebundener Arbeitnehmer in Deutschland wurde bisher auf das IAB-Betriebspanel und die Verdienststrukturerhebung zurückgegriffen. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel steht nun eine dritte Datenbasis zur Verfügung. Danach wurde 2015 knapp jeder zweite Arbeitnehmer nach einem Tarifvertrag bezahlt. mehr