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Die großen Warnstreikwellen von IG Metall und Verdi vom Winter sind längst vergessen – sie waren deutlich weniger spürbar als die Streiks bei der Bahn und in den Kitas. Gleichwohl haben die Warnstreikwellen in der Streikstatistik große Spuren hinterlassen: Eine erste grobe Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln auf der Basis von Arbeitgeber-, Gewerkschafts- und Presseangaben führt zu dem Ergebnis, dass bei den Ausständen in der Metall- und Elektro-Industrie und im Öffentlichen Dienst gemeinsam mit den Streiks bei der Deutschen Bahn, den Kitas und der Deutschen Post rund 350.000 Arbeitstage verloren gegangen sind.

Sollten die großen Konflikte bei den Kitas und der Deutschen Post länger andauern, droht Deutschland ein Streikrekordjahr, wie wir es zuletzt 2006 erlebt haben. Damals fielen laut amtlicher Statistik der Bundesagentur für Arbeit knapp 430.000 Tage durch Streiks aus. (Grafik) Seit der Wiedervereinigung hat es nur ein Jahr gegeben, in dem noch mehr Ausfalltage zu beklagen waren: 1992 gab es einen großen Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst, der drei Viertel aller 1,5 Millionen Ausfalltage dieses Jahres verursachte.

Die derzeitige Häufung von Streiks ist allerdings nichts Ungewöhnliches, da in diesem Jahr fast alle wichtigen Branchen Tarifverhandlungen führen. In der zweiten Jahreshälfte könnte denn auch eine deutliche Entspannung an der Streikfront eintreten – dann sind nämlich Branchen dran, die sich meist auf dem Verhandlungsweg einigen, etwa die Landwirtschaft, die Gastronomie, die Wohnungswirtschaft oder die Gebäudereinigung.

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