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Bei der Rente gilt es auch immer, die Interessen der Jungen im Blick zu behalten. Sie dürfen nicht zu stark belastet werden. Foto: mediaphotos/iStock

Mit seiner Kampagne gegen Altersarmut richtet sich der Sozialverband Deutschland (SoVD) unter anderem gegen das Absinken des gesetzlichen Rentenniveaus. Ein unverändertes Niveau von derzeit 47,5 Prozent würde jedoch im Jahr 2030 Mehrausgaben von über 28 Milliarden Euro verursachen. Der Beitragssatz müsste unter ansonsten unveränderten Bedingungen bereits ab 2027 über die gesetzliche Obergrenze von 22 Prozent hinaus angehoben werden. Jedoch würden von dieser Politik vor allem die aktuellen Rentner und Beschäftigte im rentennahen Alter profitieren. Die Interessen der Kinder- und Enkelgenerationen – die die Mehrkosten tragen müssen – scheinen dagegen kaum jemanden zu interessieren.

Dabei kann ein höheres Rentenniveau nicht einmal treffsicher vor Altersarmut schützen: Phasen der (freiwilligen) Teilzeitbeschäftigung, der freiwilligen oder unfreiwilligen Erwerbsunterbrechung sowie mögliche Wechsel zwischen abhängiger und selbständiger Erwerbstätigkeit können zu Rentenanwartschaften führen, die selbst bei einem höheren Sicherungsniveau unter dem Grundsicherungsanspruch bleiben.

Umgekehrt würde aber mancher Rentner profitieren, der gar keiner Unterstützung bedarf – weil er ergänzende Alterseinkommen bezieht, über seinen Partner abgesichert ist und/oder vermögend ist. Ohne die Lebenslagen der von Altersarmut bedrohten Menschen bagatellisieren zu wollen, deuten die empirischen Befunde zumindest darauf hin, dass die Absicherung im Alter durch gesetzliche Rente, private Vorsorge und gemeinsam mit dem Partner zumeist gelingt:

  • Im Jahr 2014 lagen drei von zehn gesetzliche Renten im Bereich des Grundsicherungsanspruchs eines Singles (einschließlich Wohnkosten) oder darunter.
  • Trotzdem wurde die Grundsicherung im Alter wesentlich seltener beansprucht als im Bevölkerungsdurchschnitt. In 2014 waren 9,2 Prozent aller Deutschen auf die steuerfinanzierte Hilfe angewiesen, aber nur 3 Prozent in der Altersgruppe über 65.
  • Von den Beziehern einer gesetzlichen Rente mussten sogar nur 2,5 Prozent auf Grundsicherung im Alter zurückgreifen, also noch einmal weniger als im Durchschnitt der Altersgruppe.

Daher müssen die Versorgungsinteressen der Älteren ins Verhältnis gesetzt werden zu den Einkommens- und Beschäftigungschancen der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 45 und 60 Jahren sowie der Jüngeren. Politiker sollten bedenken: Am nächsten Wahltag gehen nicht nur Rentner an die Urne, sondern auch die Beitragszahler. Die Politiker sind gut beraten, die Interessen beider Gruppen im Blick zu behalten, denn die Menschen im Erwerbsalter werden auch bei einer alternden Bevölkerung immer noch die Mehrheit bilden.

Ansprechpartner

IW-Report
IW-Report, 26. Juni 2017

Judith Niehues Armuts- und ReichtumsberichterstattungArrow

Stellungnahme unter anderem zum fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung in der öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestags. mehr

SPD-Rentenkonzept
IW-Nachricht, 7. Juni 2017

Jochen Pimpertz SPD-Rentenkonzept: Versprechen zulasten der JungenArrow

Mit einem stabilen Rentenniveau und einer Solidarrente will die SPD die Zustimmung zur Gesetzlichen Rentenversicherung sichern. Kanzlerkandidat Martin Schulz will das mit einem höheren Steuerzuschuss und durch die steigende Produktivität in der digitalen Arbeitswelt finanzieren. Doch am Ende müssen wohl vor allem die jüngeren Erwerbstätigen die Zeche zahlen. mehr

Vom höheren Rentenniveau profitieren vor allem die Reichen
Gastbeitrag, 2. Juni 2017

Jochen Pimpertz auf Focus Online „Vom höheren Rentenniveau profitieren vor allem die Reichen”Arrow

Die Politik hat den Wählern einige Vorschläge gemacht, wie das Rentenniveau über das Jahr 2030 hinaus gehalten werden soll. Doch dabei werden die Folgen oft völlig vergessen. Denn gut gemeint heißt nicht gut gemacht. Ein Gastbeitrag von IW-Ökonom Jochen Pimpertz auf Focus Online. mehr