20 Jahre Pflegeversicherung Image
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Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlte im ersten Jahr nur die ambulante Pflege, seit 1996 finanzierte sie auch die Versorgung im Heim. Mittlerweile ist die soziale Pflegeversicherung – der Teil der gesetzlichen Pflegeversicherung, in dem der Großteil der Bevölkerung versichert ist – jedoch zum Sorgenkind geworden. In den vergangenen 20 Jahren wurde sie immer teurer: Anfangs mussten Beitragszahler noch 1 Prozent ihres Bruttolohns für die Pflegeversicherung zahlen, ab Januar 2015 liegt der Satz nun bei 2,35 Prozent für Eltern und 2,6 Prozent für Kinderlose. Zugleich sind die Versicherungsleistungen seit ihrer Einführung zurückgegangen, denn sie wurden nur unvollständig an die Preisentwicklung im Pflegesektor angepasst.

Dass die Beiträge sinken, ist nicht abzusehen. Denn die deutsche Bevölkerung altert: Die Zahl der Pflegefälle stieg seit 1995 um rund 43 Prozent auf knapp 2,5 Millionen (Stand 2013), die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder legte hingegen nur um etwa 2,8 Prozent auf rund 52 Millionen zu. Diese Entwicklung wird sich verstärken, sobald die geburtenstarken Jahrgänge ins pflegenahe Alter kommen. Eine IW-Simulation zeigt: 2050 werden rund 3,7 Millionen Pflegefälle in der sozialen Pflegeversicherung zu versorgen sein, die Zahl der Beitragszahler wird hingegen auf 45 Millionen schrumpfen. Allein dadurch entsteht eine milliardenschwere Finanzierungslücke – in 2050 kann sie je nach Szenario zwischen 11,5 und 15,7 Milliarden Euro liegen.

Es drohen also weitere Beitragssteigerungen. Daran wird auch der jüngst beschlossene Pflegevorsorgefonds nichts ändern: Selbst bei einer sehr guten Verzinsung des Kapitals und einer gesünderen Bevölkerung als heute würden die Zuflüsse aus dem Fonds 2050 nur rund 14 Prozent der Finanzierungslücke decken können.

Wird die soziale Pflegeversicherung aber immer teurer, ist ihre Akzeptanz in der Bevölkerung gefährdet. Deshalb ist der Versicherung zu ihrem Geburtstag erstens zu wünschen, dass die Politik keine weiteren Leistungsausweitungen plant, die später vor allem die Jungen bezahlen müssen. Der zweite Wunsch ist eine Finanzierungsreform, die eine nachhaltige Vorsorge sicherstellt. Das IW Köln schlägt dafür ein zweites Standbein vor: eine kapitalgedeckte Versicherung für die stationären Pflegekosten. Für eine solche Reform wäre jetzt noch Zeit, bevor die Babyboomer ins pflegenahe Alter kommen.

Ansprechpartner

Wohngeld
IW-Nachricht, 5. Oktober 2017

Ralph Henger / Judith Niehues Das Wohngeld muss zukunftsfest werden Arrow

Nach der Erhöhung des Wohngeldes ist die Zahl der Wohngeldempfänger zuletzt deutlich angestiegen. Das hat das Statistische Bundesamt heute berichtet. Die Reform im vergangenen Jahr war überfällig, reicht aber längst nicht aus. Das Wohngeld sollte weiter gestärkt werden. mehr

Pflege
IW-Nachricht, 21. September 2017

Jochen Pimpertz Pflege: Über Löhne entscheidet nicht die PolitikArrow

Die SPD will 30 Prozent höhere Löhne in der Pflege – damit soll ein Pflegenotstand verhindert werden. Doch über die Gehälter bestimmt nicht die Politik. Was am Ende wirklich bezahlt werden kann, entscheiden letztlich die Beitragszahler. mehr

Makroökonomische Effekte einer paritätischen Beitragsfinanzierung
IW policy paper, 23. August 2017

Martin Beznoska / Galina Kolev / Jochen Pimpertz Makroökonomische Effekte einer paritätischen BeitragsfinanzierungArrow

Im Vorfeld der Bundestagswahl wird unter anderem eine Rückkehr zur vollständig paritätischen Beitragsfinanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung gefordert. Allerdings entpuppt sich die damit verbundene Hoffnung auf eine nachhaltige Entlastung der Beitragszahler als Irrweg. mehr